Turbulente thailändische Fantasy-Komödie
Wie schrieb doch das Branchenblatt „Screen International“ nach der Premiere des Films in Cannes 2025? „Yorgos Lanthimos hat es wohl nach Thailand verschlagen.“ Tatsächlich hat es so den Anschein, wenn man die absurde Ausgangssituation betrachtet und die radikale Unerschrockenheit, mit der Regiedebütant Ratchapoom Boonbunchachoke das Geschehen allmählich eskalieren lässt. Der Humor ist zwar grimmig, aber vielleicht doch eine Spur milder als beim grantigen Griechen.
Es geht los, als ein „academic ladyboy“ (ohne Namen) einen Staubsauger bestellt, weil er Hausstaub gar nicht aushalten kann. Rasch stellt sich heraus, dass das Gerät nicht nur den Staub wieder ausspuckt, sondern auch sonst eher renitent ist. Der Kundenservice schickt seinen besten Mann, und zwar schon eine Sekunde nach des Ladyboys Anruf. Er erzählt seinem Kunden eine wilde Geschichte, die sich sogleich vor unseren Augen abspielt. Wir erfahren, dass in dem Staubsauger ein Geist wohnt, und zwar Nat, die verstorbene Frau von March, dem Sohn der Fabrikbesitzerin … Nat, so heißt es, war ihrer Schwiegermutter schon zu Lebzeiten ein Dorn im Auge, und jetzt, wo sie als Geist im Staubsauger haust, hat sich das nicht gebessert, im Gegenteil.
Bald sind alle auf den Beinen, um sich mit der Sache zu befassen: Marchs schwuler Bruder Moss, dessen Liebhaber Ted, diverse Tanten von March, die Polizei, Wissenschaftler, Ärzte, gar nicht sanfte buddhistische Mönche, ein korrupter Politiker und andere mehr. Es wird, um es vorsichtig zu sagen, reichlich turbulent und streckenweise wirklich sehr lustig. Das mag der Grund gewesen sein, warum man dem Film 2025 den Grand Prix der Reihe „Sémaine de la Critique“ verliehen hat, denn lustige Filme kann man in Cannes ja mit der Lupe suchen.
A Useful Ghost speist sich aber nicht nur aus schrägem westlichem Kino, sondern ist auch tief in der thailändischen Mythologie verwurzelt. Geisterglaube und die Frage, wie mit dem Andenken an verstorbene Familienmitglieder umzugehen sei, sind ein wichtiges Thema, und auch der Spielfilm (man denke an Nonzee Nimibutrs großen Erfolg Nang Nak von 1999) schöpft oft daraus. Auch Apichatpong Weerasethakul hat das immer wieder thematisiert, und wenn man genau hinsieht, kann man in Useful Ghost die eine oder andere Reverenz/Spitze gegen den weltweit gefeierten Autorenfilmer erkennen. Das Schönste ist: Es kriegen alle ihr Fett ab, auch die Mönche und erst recht die Politik, und das ist in einem, nun ja, sehr konservativen Land wie Thailand nicht selbstverständlich. Auch wenn die 130 Minuten vielleicht eine Spur zu lang sind: Es macht Spaß.
