Apple TV+

Kap der Angst

| Pamela Jahn |
Annehmbares Serien-Remake des furchteinflößenden Originals

Man muss schon ein gewisses Maß an Hochmut und Unerschrockenheit mitbringen, um überhaupt auf die Idee zu kommen, Martin Scorseses Cape Fear, einen Kult-Klassiker des häuslichen Terrors mit Robert De Niro als furchterregendem Psychopathen, auf Serienformat zu strecken. Scorsese war schon mutig, als er 1991 ein Remake des Originals von J. Lee Thompson mit Robert Mitchum in der Hauptrolle drehte. Creator Nick Antosca hat sich als ein großer Fan beider Filme bekannt. Das allein ist jedoch noch keine Garantie für eine gelungene TV-Adaption. 

Statt De Niro kehrt in der Neuauflage Javier Bardem als Max Cady zurück. Zu Unrecht verurteilt, 17 lange Jahre im Knast, geprügelt und geschunden, misshandelt  bis zum Gehirnschaden, das macht was mit einem. Cady blickt deshalb nicht nur düster drein, als er seine frühere Anwältin Anna (Amy Adams) und ihren Mann Tom (Patrick Wilson), der in dem Verfahren gegen ihn als Staatsanwalt auftrat, nach seiner Freilassung wiedertrifft. Er führt etwas im Schilde, nichts Gutes, daran hat sich nichts geändert. Aber Antosca zieht die Exposition in die Länge, springt zwischen verschiedenen Schauplätzen, Vergangenheit und Gegenwart hin und her, um seine Figuren einzuordnen, ihnen ein Profil zu geben und gleichzeitig das Spannungsbarometer in die Höhe zu treiben. 

Es braucht also etwas Geduld, bis die Serie ein ähnliches Schreckenspotenzial erreicht wie die Kino-Versionen, bis das Außeralltägliche jäh die hübsche Idylle zerstört, in der sich Anna und Tom mit ihren zwei Kindern eingerichtet haben. Bardem weiß, wie das geht. Ob als blass-blondierter Bond-Bösewicht in Skyfall (2012) oder schlecht frisierter Psycho-Killer in No Country for Old Men (2007), der Spanier mit dem finsteren, durchdringenden Blick und der geheimnisvollen Aura erweist sich als kluge Besetzung für Cady, wenn seine Wahl auch vorhersehbar erscheint. Vielleicht nimmt man ihm deshalb die Rolle auch nie wirklich ganz ab. Das Unberechenbare, zutiefst Grausame, das De Niros Interpretation des auf Rache fixierten Mörders so brillant verkörperte, in seinem Handeln ebenso wie in einem fein nuancierten Minenspiel, erreicht bei Bardem nicht die adäquate Wirkung, obwohl er sich sichtlich anstrengt, die Augenbrauen zusammenkneift und den Ton seiner Stimme noch ein Stück tiefer als sonst ins Bodenlose zieht. Suspense und einen ausreichenden Unterhaltungswert hat das Ganze trotzdem, zumindest bis zur achten Episode. Die letzten beiden Folgen bleiben bis zur gestaffelten Ausstrahlung unter Verschluss.