Ein asiatischer Action-Kracher erster Güte
Es war im Jahr 1994, da sorgte ein Hongkong-Actionfilm für Aufsehen: The New Legend of Shaolin von Vielfilmer Wong Jing und von Meister-Action-Choreograf Corey Yuen. Neben allerlei sonstigen Attraktionen, unter anderem einem famosen Cast mit Stars wie Jet Li, Chingmy Yau und Deannie Ip, beeindruckte in dem Film ein zehnjähriger Junge aus Peking namens Xie Miao (kantonesisch Miu Tse oder Mo Tse), der nicht nur als niedlicher Aufputz diente, sondern seinen Vater (Li) tatkräftig in seiner Mission unterstützt: Rache an der Qing-Regierung und ihren korrupten Schergen, die in seinem Dorf ein Massaker verübt haben. Die Kampfkünste des Kleinen waren so atemberaubend, und der Erfolg so groß, dass Jet Li und Xie Miao schon ein Jahr später in My Father Is a Hero wieder zusammen auftraten, diesmal im modernen Gewande und, als entscheidender Bonus, mit Hongkongs unsterblicher Diva Anita Mui. Heute, mehr als 30 Jahre später, ist Xie Miao immer noch ein Star, wenngleich es, warum auch immer, für die allererste Kategorie und für eine internationale Karriere nicht ganz gereicht hat. Das ist angesichts seines Charismas und seiner wirklich verblüffenden Kampfkunst ein Rätsel, und auch, warum er sich zuletzt in den passablen, aber doch eher schlichten Filmen der chinesischen Streaming-Plattform iQiYi herumtreiben musste.
Langer Rede, kurzer Sinn: In The Furious, einer wahrhaft pan-asiatischen, mehrheitlich (zwecks internationaler Verkaufschancen) englischsprachigen Anstrengung mit japanischem Regisseur, Schauspielenden aus mehreren Ländern und dem Schauplatz Bangkok, bekommt Xie Miao endlich die Plattform, die er verdient. Er spielt einen (stummen) Chinesen, der in Thailand arbeitet, und natürlich geht es wieder um Rache, weil üble Schufte seine kleine Tochter entführt haben – zu welchem Zweck, will man gar nicht wissen. Ihm zur Seite steht, nach anfänglichen Missverständnissen, der indonesische Kampfkunst-Star Joe Taslim (The Raid u. a.) als Navin. Dieser sucht seine Frau, die als Journalistin zum Thema Menschenhandel recherchiert hat und ebenfalls gekidnappt wurde. Zwar sind die Bösen bald gefunden, aber das ist gar nicht so sehr der Punkt: The Furious ist ein Spektakel, das sich aus den verschiedenen Kampftechniken speist, die hier zur Anwendung kommen. Die Action-Szenen, und vor allem den gut 20-minütigen Showdown, das muss man wirklich gesehen haben. Der dürfte wohl in die Film-, auf jeden Fall aber in die Martial-Arts-Geschichte eingehen. Da bleibt nur noch: Staunen.
