Exzellenter Essayfilm mit exquisitem Bonusmaterial
Dass die DVD-Edition von Alexander Horwaths weltweit (und auch hierorts) zu Recht gefeiertem Essayfilm/Erstlingsfilm kein Produkt von der Stange sein würde, war absehbar, und man wird nicht enttäuscht. Denn neben dem Vorzug, diesen im wahrsten Sinne denkwürdigen Film noch einmal, quasi „in Ruhe“, zu Hause anschauen und reflektieren zu können, bietet die vom Filmladen herausgegebene Edition zwei nicht alltägliche Bonus-Features, nämlich tiefgründige und dennoch höchst unterhaltsame Gespräche zwischen Horwath, in gewohnter eloquenter Hochform, mit zwei internationalen Größen, die noch dazu langjährige Freunde und Vertraute des Regisseurs sind: Kent Jones, US-Filmkritiker, Kurator und Filmemacher, und Christian Petzold.
Mit Jones spricht Horwath vor allem über Hollywood und Schauspiel(er), sozusagen auf einer mehr theoretischen Ebene, während es im Gespräch mit dem deutschen Filmemacher großteils um die praktische Arbeit, die Planung, die USA-Reisen und die Dreharbeiten geht. Beides ist gleichermaßen erhellend und erfrischend und geht weit über den Insider-Talk ausgewiesener Filmnerds hinaus.
Besonders im Gespräch mit Petzold wird auch ersichtlich, wie sehr der Film gerade bei amerikanischen Cinephilen für Aufsehen sorgte. Eine Frau habe sogar von einem „Requiem auf Amerika“ gesprochen, berichtet Horwath, der aber zugleich von den schönen „Funden“ erzählt, die sich im Zuge der Recherche und durch Hinweise von Bekannten ergeben hätten, etwa die Szene, in der Henry Fonda in Mein Name ist Nobody vor dem Mississippi sitzt und im Hintergrund ein Schiff vorbeifährt, das den Namen „President“ trägt. Kent Jones verweist auf die zwiespältige Situation von Schauspielern im klassischen Studiosystem (finanziell abgesichert einerseits, kreativ eingeschränkt andererseits) und nennt Warren Beatty und George Clooney als Schauspieler, denen immer wieder politische Ambitionen nachgesagt wurden.
Substanziell ist, neben vielem anderen, Horwaths in beiden Gesprächen geäußerte Beobachtung, wie sehr das USA-Bild europäischer Menschen durch Filme geprägt worden sei und wie überraschend vieles von dem, was man aus Hollywood-Filmen kenne, sich bis heute in der Realität der USA antreffen lasse. Insgesamt ist die DVD-Edition von Henry Fonda for President ein tolles Package für Filmliebhaber ebenso wie für Menschen, die sich für Geschichte und Gegenwart der USA interessieren.
