Bewegendes Portrait einer Vorkämpferin für den Frauenboxsport
Bei uns weithin unbekannt, ist die langjährige Boxweltmeisterin Christy Martin in den USA eine lebende Legende. Ihre Profikarriere gewinnt an Fahrt, als der ikonische Promotor Don King (mit offenkundigem Gusto verkörpert von Chad Coleman) sie unter seine Fittiche nimmt. Er vermarktet die Tochter eines Bergmanns als „the Coal Miner’s Daughter“ und vermittelt ihr als Vorprogramm zum WM-Fight Tyson gegen Bruno am 16. März 1996 einen Kampf über sechs Runden à zwei Minuten gegen die Irin Deirdre Gogarty. Archivaufnahmen der furiosen Original-Ringschlacht, zu sehen im Internet, geben einen Eindruck von Martins aggressivem Boxstil. Vier Wochen später erscheint sie als erste Boxerin auf dem Cover von Sports Illustrated, mit der Schlagzeile: „That’s Why the Lady is a Champ“.
Sydney Sweeney, bekannt für ihre herausragenden schauspielerischen Leistungen als Titeldarstellerin in Reality (2023) und The Housemaid (2025), legte für die Rolle an Muskelmasse zu und absolvierte ein monatelanges Training, um die Boxszenen ohne Double zu spielen. Als Christys freundschaftlich gesinnte Kampf- und Trainingspartnerin (und spätere reale Lebensgefährtin) Lisa Holewyne beeindruckt die charismatische Kampfsportlerin Katy O’Brian. Und mit einem Ausdruck latenter Bedrohlichkeit verkörpert Ben Foster Christys Trainer Jim Martin, ein ausgemachtes Arschloch: misogyn, homophob, krankhaft geltungs- und eifersüchtig. Nach anfänglicher Ablehnung drängt er sich als Ehegatte auf und nutzt sie aus. Nicht nur als Manager, der ihre Preisgelder kassiert, auch als Pornoproduzent und Zuhälter. So handelt es sich hier nicht nur um einen Sportfilm, es ist auch ein Sozialdrama über häusliche Gewalt und die verbreitete Abhängigkeit junger Athletinnen von ihren Coaches, wobei es bekanntlich zu Fällen von Missbrauch gekommen ist.
Im letzten Drittel gewinnt die geradlinige Inszenierung mit repetitiven Ringsequenzen an emotionaler Intensität. Während Christys Ruhm zunimmt, geht’s im Privatleben bergab. Schlagfertig in der Öffentlichkeit ist sie im Ehealltag gefügig gegenüber ihrem Mann, der sie mittels ihrer Kokainabhängigkeit kontrolliert und sich vom Manipulator zum brutalen Despoten entwickelt. Dabei zeigt sich, wie weit Gewalt in der Partnerschaft gehen kann: Als Christy Anstalten macht, ihn zu verlassen, begeht Jim erst Rufmord, später sticht er daheim mit einem Messer auf sie ein und schießt ihr in die Brust. Eine grausame Szene, die an die Schmerzgrenze geht.
