Joaquin Phoenix als Johnny Cash: ein Bravourstück, das einen sehr begabten Schauspieler endgültig in die erste Riege Hollywoods katapultiert.
Joaquin Phoenix wird am 28. Oktober 1972 in Puerto Rico geboren. Mit seinen Eltern und seinen vier Geschwistern zieht er durch Mittel- und Südamerika, ehe man sich in Kalifornien häuslich niederlässt. Die Kinder werden allesamt TV-Werbemodels und später Filmschauspieler, am bekanntesten natürlich Joaquins zwei Jahre älterer Bruder River, der 1993, mit 23 Jahren, nach übermäßigem Drogenkonsum vor einem Nachtclub in L. A. zusammenbricht und stirbt. Es ist Joaquin, der, vergeblich, die Rettung ruft. Der Tod des Bruders trifft ihn schwer. Regisseur Gus Van Sant, der River Phoenix in My Private Idaho seine wohl beste Rolle gegeben hatte, verpflichtet Joaquin 1995 für To Die For, um ihn aus seiner Depression herauszuholen. Seine Karriere entwickelt sich gut, er spielt unter anderem in Ridley Scotts Gladiator (Oscar- und Golden-Globe-Nominierung) und in M. Night Shyamalan Signs und The Village. Beim Interview in London ist er voller Enthusiasmus über die einmalige Chance, Johnny Cash auf der Leinwand zu verkörpern.
„Einige Zeit vor dem Film war ich in Johnny Cashs Haus eingeladen. Nach dem Essen holte er eine Gitarre hervor, und ich dachte: ‚So ist es, wenn man ein Star ist. Immer muss man auftreten.‘
Da wusste ich noch nicht, dass er fast mit seiner Gitarre verwachsen war. Er fing an, irgend etwas zu klimpern.
Dann bat er seine Frau June, ihm doch zu helfen, und sie sangen zusammen einen alten Gospel.
Sie sahen sich dabei die ganze Zeit in die Augen.“
„Niemand wusste, ob ich es schaffen würde, die Songs so zu singen, dass das Publikum nicht aus
dem Kino läuft. Bei ‚I Walk the Line‘ wollte ich fast aufgeben. Fing ich mit meiner normalen Stimmlage an, war das Ende viel zu hoch für mich. Schaffte ich den Schluss, war der Anfang zu tief. Erst als ich das im Griff hatte, konnte ich freier arbeiten. Johnny Cash hatte eine Menge Soul und eine große Bandbreite von Country über Rockabilly und Gospel zu Folk.“
„Am meisten bewundere ich Johnny Cash für seine Integrität. Er hat nie für Geld irgendwelche stupiden Songs nachgesungen wie Elvis. Er war immer bereit, etwas zu riskieren und sich gegen Widerstände durchzusetzen. Sean Penn sagte mir einmal, dass man zum Glück, auch wenn manche Leute es noch so sehr versuchen, das menschliche Herz nicht vervielfältigen kann. Und Johnny Cash hatte ein großes Herz.“
„Schauspielen ist ein wenig so, als ob du von heute auf morgen in ein fernes Land gehst, wo du die Sprache nicht sprichst und dort z. B. Schuster wirst.
Nach einer Weile wirst du dich anpassen und sprechen und aussehen wie ein Schuster in diesem Land.
Wenn du dann zurückgehst, wird etwas von diesem Schusterleben an dir hängen bleiben und du wirst nicht mehr derselbe sein wie vorher.“
