Luc Besson begibt sich ins Land der schwarzweißen Phantasie und erzählt im postkartenschönen Paris die wunderbare Rettung des Ganoven André durch einen Engel, der vom Himmel fällt.
André scheint ein toller Typ zu sein, will man seinen ersten Worten, die er uns von seiner Existenz vorflunkert, Glauben schenken: globale Geschäfte, Wohnungen an den hippen Plätzen dieser Welt. Würde da nicht Sekunden später eine Faust in seinem Gesicht landen und der Schnitt auf die Totale schon ein bisschen mehr Einblick in die Wirklichkeit verschaffen: Gläubiger, die ein letztes Ultimatum stellen, haben ihn eingekreist und kitzeln ein wenig mit der Messerklinge. Nicht einmal das romantische Ambiente am Gestade der Seine kann für mildernde Umstände sorgen. Als nur kurze Zeit darauf der nächste Schuldeneintreiber den bedauernswerten André als letzte Warnung am Geländer des Eiffelturms zappeln lässt, wird spätestens jetzt klar, dass bei diesem Mann ordentlich der Hut brennt. André sieht nur mehr einen Ausweg aus der Sackgasse: den Sprung von der Brücke. Paris hat derer jede Menge, um diesen stilvoll zu gestalten, doch da – im letzten Moment erblickt er jenseits der Brüstung eine Gleichgesinnte, die ihm zuvorkommt. André springt nach und rettet die hochgewachsene Schönheit, die sich als Engel entpuppt, mit der Mission auf Erden entsandt, André aus seinen Lebenslügen zu befreien und die Liebe zu sich selbst zu entdecken.
Luc Besson hat nach sechs Jahren Kinopause wieder Regie geführt und mit Angel-A nicht nur daran erinnert, dass er das Handwerk für den breiten Geschmack perfekt beherrscht, sondern dass er auch in der Werbung und ihrer Ästhetik zu Hause ist. Topmodel Rie Rasmussen und Frankreichs viel beschäftigter Spaßvogel Jamel Debbouze verkörpern das ungleiche Paar, das einander zwischen Himmel und Hölle, zwischen Leben und Tod auf einer Brücke in Paris begegnet und gemeinsam aus der Krise taucht, um mit einer gewandelten Sicht aufs Leben neue Ufer zu beschreiten. Ein reichlich geschwätziger Schlagabtausch zwischen dem kleingewachsenen Loser und der klugen, langbeinigen Blondine sorgt für rasche Lebenshilfe in mehreren Episoden. Sie zeigt ihm unermüdlich, wie einfach es ist, alles im Leben positiv anzugehen, er hält ebenso beharrlich an seiner lebenslang erprobten Schwarzmalerei fest, bis ihm irgendwann doch die Schuppen von den Augen fallen. Ein Märchen unter dem Himmel über Paris, elegant in Schwarz und Weiß vor den Postkartenmotiven der Stadt inszeniert, ohne je nach den Schichten unter der Oberfläche zu suchen.
