Mathematikprofessor Robert, der an einer mysteriösen Geisteskrankheit leidet, wird bis zu seinem Tod von seiner Tochter Catherine aufopferungsvoll gepflegt. Doch diese Belastung ist nicht spurlos an der jungen Frau vorübergegangen.
Es mag ja sein, dass zwischen Genie und Wahnsinn, wie Der Beweis suggeriert, nur ein schmaler Grat liegt. Aber zwischen Hollywood-Glamour und grauer Unscheinbarkeit besteht wohl doch ein erheblicher Unterschied. Deshalb mutet es meistens etwas albern an, wenn ein Star wie Gwyneth Paltrow ein scheues Mauerblümchen spielt, das sich in unmodischen Strickjacken förmlich zu verkriechen scheint. Den Eindruck einer Fehlbesetzung kann im Falle des neuen Films von John Madden (der schon bei Shakes-peare in Love mit Paltrow zusammengearbeitet hat) auch nicht die Tatsache verwischen, dass Paltrow bereits bei der Londoner Aufführung der Theatervorlage die Hauptrolle gespielt hat. Catherine hat ihren Vater Robert (Anthony Hopkins), einen genialen Mathematiker, bis kurz vor seinem Tod betreut, nachdem er Jahre zuvor dem Wahnsinn anheim gefallen war. Diese Verantwortung, der die junge Frau das eigene Mathematikstudium geopfert hat, war so nervenaufreibend, dass sie nun selbst psychisch angeschlagen wirkt. Unmittelbar vor Roberts Beerdigung glaubt sie jedenfalls, eine Konversation mit dem Verstorbenen zu führen. Unter diesem Vorzeichen – und weil sich seit The Sixth Sense und Fight Club Filmfiguren mit gewisser Regelmäßigkeit als Hirngespinste entpuppen – scheinen leise Zweifel an der Existenz anderer auftretender Personen ebenfalls angebracht. Das gilt sowohl für den jungen Mathematiker Hal (Jake Gyllenhaal), als auch für Catherines ebenso aufdringliche wie unsensible Schwester Claire (Hope Davis). Regisseur Madden übt sich erfreulicherweise in Zurückhaltung, hält dabei die Zweifel des Zuschauers oft durch wenige Dialogsätze aufrecht. Doch in anderer Hinsicht wird diese betuliche Zurückhaltung der Inszenierung dem Film zum Verhängnis. Letztendlich dreht sich alles um die Frage, ob Catherine, wie sie selbst behauptet, die Autorin einer revolutionären mathematischen Formel und mithin genial ist – oder aber vollends wahnsinnig geworden. Wie bei Psychothrillern, die um Amnesie kreisen, ergibt sich die Auflösung aus Rückblenden, die Catherines Erinnerungen illustrieren. Gerade weil die Handlung durchgehend aus ihrer subjektiven Perspektive erzählt wird, fällt freilich auf, dass Madden dem Zuseher letztlich zu wenig Einblick in ihre Gedankenwelt gewährt. Ebenso wenig wie man Paltrow die graue Maus abnehmen mag, kann man ihrer Figur daher Genie oder Wahnsinn wirklich glauben.
