Dass das Remix einer erfolgreichen 80er-TV-Serie nicht notwendig ein Blockbuster wird, beweist einmal mehr die Wiederauferstehung von Sonny Crockett und Ricardo Tubbs.
Miami Vice, die Serie, war der Hochglanzschund der 80er: Drogen, Sex, Gewalt im rosa Armani-Anzug. Widrige Geschäftsabschlüsse vor buntem Dekor im Ethno-Schmelztiegel Miami. Popdrive, Action, angeheizt vom Gehörgang penetrierenden Syntheziser-Titelmotiv von Jan Hammer. Nur damals konnte ein Don Johnson Karriere machen, nur dort konnte ein Edward James Olmos zum Kultstar der Latino-Community werden.
Miami Vice, der Film: Colin Farrell und Jamie Foxx sind schon Stars, die Start-Beats von Nonpoint sind treibend, aber beliebig, der Hochglanz verblasst. Übrig bleibt der Schund. Drogen, Sex, Gewalt und Pop sind, nicht zuletzt unter dem Einfluss von Serien wie Miami Vice, zum Ingrediens tausender Filme und Serien geworden, und werden von den Kindern der filmischen Postmoderne längst exzessiv durch jeden denkbaren digitalen Fleischwolf gedreht. Miami Vice, der Film, ist nicht unbedingt langweilig, hat aber das Problem, dass er nicht Miami Vice heißen müsste. Das Alleinstellungsmerkmal ist verloren gegangen.
Was hätte man von Michael Mann, dem Kreateur der durchschlagenden Serie und Regisseur einiger fabelhafter TV- und Kinofilme, nicht alles erwarten können? Wie Al Pacino und Robert De Niro als Cop und Gangster in Heat aneinander geraten, wie der Insider Russell Crowe als Zeuge im Milliardenprozess gegen Big Tobacco Angst vor der eigenen Courage bekommt, wie Tom Cruise im virtuos tempierten Thriller Collateral Jamie Foxx als unfreiwilligen Beitragstäter einspannt – das sind gelassen aufgerollte, sorgfältig inszenierte Geschichten mit Stil. Detective Sonny Crockett neues Leben einzuhauchen, hätte entweder einer Portion Selbstironie bedurft oder psychologischer Tiefenschärfe, aber sicher nicht einer chemisch kaum reaktiven Romanze (mit einer von Gong Li hölzern dargestellten Powergangsterin), die die überraschungsarme Undercoverstory konstant zähflüssig hält. Der Macho von damals agiert, nunmehr mit Bärtchen, vor ausschweifender Kulisse bis Haiti und Havanna, im ungebremsten Machbarkeitsrausch. Als wäre in all den Jahren nur die Männermode und vielleicht noch Miamis Architektur akzeptabler geworden, als hätte Mann in der Zwischenzeit nicht vielschichtige andere Charaktere in Arbeit gehabt.
Er wollte kein Remake inszenieren, sagt der Regisseur. Das ist ihm gelungen: War das Original noch eine Art cooles Gegenstück zu Scarface (1983), wirkt der Film eher wie ein loser Nachruf auf vergangenen Kult. Wir warten nicht auf Teil zwei.
