Children of Men

| Ralph Umard |

Als die Menschheit in naher Zukunft wegen sexueller Unfruchtbarkeit weltweit auszusterben droht, wird eine junge Schwangere zur einzigen Hoffnung für den Fortbestand der Gattung.

„No Future“, die einstige Parole der Punks, ist in diesem Endzeit-Thriller Wirklichkeit geworden. Sexuelle Unfruchtbarkeit droht der Menschheit den Garaus zu machen. Seit fast zwei Dekaden ist weltweit keine Frau mehr schwanger geworden, und keiner weiß, warum. Ohne Zukunftshoffnung scheren sich die Menschen immer weniger um Gesetz und Ordnung, Nihilismus und Chaos breiten sich aus. Die Regierung in England reagiert auf diese Entwicklung mit drakonischer Gewalt: Nach außen hin schottet sich das Inselreich ab, im Innern sichert die Armee mit Gewehren und Panzern den Fortbestand des Staates, die Bürgerrechte sind stark eingeschränkt. Illegale Immigranten werden in Konzentrationslager gesteckt, Oppositionelle und urbane Guerrillas gnadenlos verfolgt.

In dieser Situation wird der Regierungsangestellte Theo Faron (Clive Owen) von Untergrundkämpfern gekidnappt und genötigt, eine junge Schwarze aus London an die Küste zu eskortieren, wo sie einem mysteriösen „Human Project“ überantwortet werden soll – dem Vernehmen nach eine Wissenschafter-Elite, die auf einer Insel nach Überlebensmöglichkeiten der Menschheit forscht. Zunächst zeigt Faron wenig Neigung zu der gefährlichen Reise, bis sich seine Schutzbefohlene vor ihm auszieht – und sich als hochschwanger entpuppt!

Children of Men beginnt viel versprechend mit einem existenzialistischen Helden, der sich desillusioniert in sein sinnloses Dasein fügt, sich mit Nikotin und Alkohol einigermaßen bei Laune hält und zuweilen bei einem zurückgezogen im Wald hausenden Freund ausspannt, eine Art Althippie, von Michael Caine mit Charme und Humor gespielt. Der Film zeigt, wie Probleme eskalieren könnten, die schon heute aktuell sind, wenn hoffnungslose Jugendliche in Pariser Vorstädten randalieren, Flüchtlingsströme aus Afrika nach Europa drängen, der Terrorismusverfolgungswahn zu immer mehr Beschränkungen der Bürgerrechte und zum autoritären Überwachungsstaat führt, der Menschen nur auf Verdacht in Lager sperrt. Doch diese Probleme werden oberflächlich dargestellt und dienen bloß als Hintergrund für mäßig spannende Jagd- und Verfolgungssequenzen und erschütternde, im Stil von Saving Private Ryan in Szene gesetzte Kriegshandlungen. Existenzielle philosophische Fragen, die der Film aufwirft, werden gar nicht erörtert: Hat das menschliche Leben einen Sinn?  Ist das leidvolle menschliche Dasein grundsätzlich überhaupt wünschenswert?