Little Children

| Lina Dinkla |

Todd Field wirft einen gnadenlos analytischen Blick auf das Leben in der typischen US-Vorstadt.

Es sind keine brandneuen Fragen, die Todd Field in seinem zweiten Spielfilm aufwirft, aber den Blickwinkel der möglichen Antworten seziert er bis zur Schmerzgrenze. Ausgangspunkt ist das beschauliche Dasein in einer amerikanischen Vorstadt-Idylle. Sarah, eine junge Mutter im alltäglichen Einerlei zwischen Spielplatz, Minivan und Nordic Walking, steht dabei unter besonderer Beobachtung. Die ersten Einstellungen teilen ohne Umschweife ihren Status als Außenseiterin mit. Eine Versagerin in den Augen der anderen Mütter, die das adäquate Verhalten als Hausfrau kaum beherrscht und für mitleidiges Stirnrunzeln sorgt, als der Reiscracker für Tochter Lucy unauffindbar bleibt. Die aufsteigende Panik versucht sie mit distanziertem Blick einzudämmen,  bis sich durch das Auftauchen von Brad, dem einzigen Hausmann weit und breit, ein Ausweg aus dieser Trostlosigkeit auftut.

In dräuenden Tönen, messerscharf gestochenen und kunstvoll arrangierten Bildern tastet Field ungerührt den Mythos der angeborenen und uneingeschränkten Mutterliebe an. Was ist auch anzufangen mit dieser kleinen Person, die zwar geliebt werden soll, vielleicht aber fremd bleibt und deren Einfluss auf das eigene Leben manchmal nicht zu ertragen ist? Little Children evoziert durch diese Darstellung unbestreitbar eine tiefe Verstörung. Aber neben dem beklemmenden Gefühl stellt sich auch eine Art von wohltuendem Verständnis, fast Erleichterung ein, denn ganz sachlich und differenziert wird von den möglichen Konsequenzen der so genannten „Kleinfamilie“ erzählt.

Fields thematische Ansätze sind dementsprechend klar erkennbar; die genau beobachteten Studien von Eltern und Kindern sind fast zu perfekt geraten. Aufnahmen, die bis ins Mark treffend stimmungsvoll inszeniert sind, mit Farben, die in ihrer matten Dichte eben jenen Eindruck beschwören, der so schmerzvoll die Kehle zuschnürt und das Wechselbad der Gefühle zwischen Aufgehoben- und Eingesperrtsein spüren lässt.

Es bleibt bedauerlicherweise ein wenig uneindeutig, welchen Ton Todd Field exakt treffen wollte. Trotz der beeindruckenden Wucht einer Bestandsaufnahme der amerikanischen Mittelschicht, die sich auf der selbstzerstörerischen Suche nach innerer Sicherheit befindet, werden die Handlungsstränge insgesamt zu bemüht ausgeführt. Am Ende bleibt ein Gesamteindruck, der irgendwo zwischen düsterem Gesellschaftsdrama und Romanze stecken geblieben ist.