Goodbye Bafana

| Ernst Pohn |

Die wahre Geschichte von Nelson Mandelas Gefängniswärter, der sich vom Rassisten in einen Befürworter des Freiheitskampfes in Südafrika verwandelte.

Der Gefängniswärter James Gregory (Joseph Fiennes) hatte einmal sehr feste Vorstellungen davon, wie seine kleine südafrikanische Welt geschaffen ist. Klar unterteilte er in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse. Zum Zeitpunkt, als er seine neue Arbeit im Gefängnis von Robben Island antritt, besteht für ihn daher kein Zweifel, dass Nelson Mandela und die anderen Mitglieder des ANC (African National Congress), die dort hinter Gittern sitzen, verachtenswerte Terroristen sind. Als einfacher Aufseher ist er auch weit davon entfernt, die gesteuerte Darstellung von Politik und Medien zu hinterfragen. Als er bei seiner Arbeit Nelson Mandela besser kennen lernt, vollzieht sich in ihm ein grundlegender Wandel, und seine festgefahrenen Vorstellungen beginnen zu wanken. Er empfindet Sympathie und, mehr noch, Respekt gegenüber dem berühmten Gefangenen. Als seine wohlwollende Haltung auffliegt, wird klar, dass dieser Sinneswandel weiter reichende  Konsequenzen hat. Plötzlich wird sein bis dahin perfektes Bilderbuch-Familienleben bedroht, er selbst als „Kaffer-Freund“ beschimpft.

Goodbye Bafana zeigt im Rahmen einer politischen Thematik eine Familie im Kampf mit ihren eigenen Werten und denen der Gesellschaft. „Welche Opfer ist man bereit für seine Überzeugungen zu bringen?“ oder „Steht das Wohl der Gesellschaft über dem der eigenen Familie?“ sind Fragen, die es für die Hauptfiguren zu beantworten gilt. Der Überzeugungswandel vollzieht sich bei Gregory (allzu) offensichtlich, nur allmählich dagegen bei seiner noch engstirnigeren Ehefrau Gloria (Diane Kruger), die zu Beginn des Films mit Aussagen wie „Gott will, dass Schwarze und Weiße getrennt leben“ schockiert. Ihre Entwicklung bleibt aber weniger plakativ als die des oft überzogen agierenden Fiennes. Regie führte handwerklich solide der routinierte Däne Bille August, der dabei auf Experimente in Dramaturgie oder Bildsprache verzichtet. Mögliche Widersprüchlichkeiten innerhalb der wahren Geschichte von James Gregory wurden glattgebügelt. Insgesamt also ein in jeder Hinsicht konventionelles, aber kein schlechtes Drama, das mit allen Zutaten aufwartet, die für breites, anspruchsvolles Unterhaltungskino offensichtlich nötig sind.

Und die Figur des Nelson Mandela? Die wird symbolhaft eingesetzt und dient zur Verkörperung des moralischen Gewissens. Mandelas Botschaften übertünchen auch eine allzu aufdringliche Moralkeule und verleihen dem Film eine Instanz, mit deren humanitären Zielen man sich gerne einverstanden erklärt.