Ein kleines, idyllisches Dorf mutiert jedes Jahr zum Treffpunkt der Heavy Metal-Szene.
Ein ganz normales Dorf irgendwo in Schleswig-Holstein. Ganz normal? Nein! Denn einmal im Jahr überfluten tausende von Heavy Metal-Fans das idyllische Wacken und heizen der Gemeinde mit ihrer ohrenbetäubenden Musik ordentlich ein. Einst kaum besucht und aus einer Laune heraus entstanden, gilt das Wacken-Open Air mittlerweile als das größte Heavy Metal-Festival weltweit. Selbst die etwas unterkühlten Dorfbewohner, die „satanische Messen“ und andere heidnische Bräuche bei den düster gekleideten Festivalbesuchern wittern, haben sich langsam an den jährlichen Einfall der jugendlichen „Barbaren“ gewöhnt und ihn systematisch kommerzialisiert.
In Full Metal Village prallen zwei Kulturen aufeinander, die gegensätzlicher nicht sein könnten: die Fans der Heavy Metal-Musik und die Bürger von Wacken, die nichts mehr lieben als ihr beschauliches Dorfidyll. Doch anstatt sich auf die Gegensätzlichkeit der beiden Gruppen zu stürzen, hat sich Regisseurin Sung-Hyung Cho auf das Leben der bisweilen skurrilen Dorfbewohner konzentriert und sie mit ruhiger Kamera bei ihren alltäglichen Arbeiten begleitet. Die Regisseurin schwenkt nicht weg, wenn die Bauern mit langen Pausen über ihre Arbeit sinnieren, sondern lässt den Bewohnern Raum für ihre Ausführungen. Zum Dank plaudern sie zum Amüsement des Zuschauers aus dem Nähkästchen. So gibt Bauer Trede freizügig darüber Auskunft, dass er, obwohl seit Jahren verheiratet, selbstverständlich eine Freundin hat. Wohingegen die pubertierende Kathrin, die sich neben Schminken und Aerobic vor allem für den Nationalsozialismus interessiert, nichts sehnlicher wünscht als eine Stunde im Zweiten Weltkrieg zu verbringen, um einmal „so richtig dabei zu sein“. Der arbeitslose Motorradfreak Norbert wiederum, einst Mitbegründer des Festivals, schimpft über die bösen Ausländer, die allen die Jobs vor der Nase wegschnappen.
Full Metal Village ist das gelungene Porträt einer kleinen Gemeinde, die sich selbst von martialischen Musikfreaks nicht aus der Ruhe bringen lässt. Was allerdings zu kurz kommt, ist der Einbruch des Chaos in das Dorfidyll, das am Ende des Films nur knapp abgehandelt wird. Der Gegensatz „Bauer meets Hardrock“, der jede Menge humoristisches Potenzial gehabt hätte, wird so ein wenig verschenkt. Doch allein wegen der örtlichen Feuerwehrkapelle, welche die Horde von alkoholisierten Teenies mit Volksmusikhits am Anfang des Festivals begrüßt, lohnt es sich, Full Metal Village zu sehen.
