Zimmer 1408

| Alexandra Seitz |

Mike Enslin schreibt Bücher über Hotels, in denen es angeblich spukt. Das Dolphin gibt ihm mit Zimmer 1408 eine besondere Nuss zu knacken.

„It’s just a fucking evil room“, sagt Hotelmanager Gerald Olin, als er fast schon verzweifelt versucht, Mike Enslin davon abzuhalten, in Zimmer 1408 seines noblen New Yorker Hotels einzuchecken. Enslin aber, als Autor erfolgreicher Reiseführer zu Spuk-Unterkünften einiges gewohnt, hält auch diese Warnung nur für einen weiteren Werbegag und insistiert auf einer Übernachtung. Eine Zeitlang bleibt es trügerisch ruhig, dann jedoch dreht der unheilvolle Ort voll auf.

Zunächst kann Enslin noch von Glück sagen, dass ihn die familiären Schicksalsschläge der vergangenen Jahre zu einem von Gott abgefallenen Zyniker haben werden lassen. Denn während der Raum um ihn herum das naturwissenschaftliche Weltbild pulverisiert und Grauen Erregendes geschieht, klammert sich sein Verstand, einem Rettungsanker gleich, an die These, man habe ihm Drogen in den sündteuren Cognac gemischt, und die fraglichen Ereignisse seien lediglich Halluzinationen. Als auch dies nichts mehr hilft, beginnt der Autor dem Zimmer, das heimtückisch all seine Verletzungen, Traumata und Ängste gegen ihn verwendet, vehementen Widerstand zu leisten. Was folgt, ist nicht einfach nur ein Kampf auf Leben und Tod, sondern auch eine Folge kathartischer Ereignisse, die Enslin Stück für Stück aus seiner emotionalen Vergletscherung reißen.

Das Angenehme an Mikael Håfströms 1408 ist, dass der Film nicht mehr sein will, als ein anständiger Horrorfilm. Also einer von jener raren, altmodischen und traditionsbewussten Sorte, in der das Unheimliche diese Bezeichnung auch verdient, in der solides Handwerk und inszenatorisches Geschick über Effekthascherei triumphieren, und in der ein guter Schauspieler nicht nur ein panisches Gesicht zu machen und erschreckt herumzuschreien hat.

Håfström bleibt mit 1408 auf Augenhöhe mit seinem Publikum, er übertreibt weder mit psychologischen noch metaphysischen Erklärungsversuchen und er zaubert am Ende auch kein Kaninchen mit „Ätsch!“-Pistole aus dem Hut. Sein Zimmer 1408 ist einfach nur ein unheimlich böser Raum, der auf eine falsche Fährte nach der anderen lockt. Ein verführerischer Irrgarten, eine mörderische Falle, ein Höllenschlund und Eingang zu ewiger Verdammnis. Und der uneindeutige Blick, mit dem einen John Cusack nach seinem fulminanten Nahezu-Soloauftritt schließlich aus der Geschichte entlässt, beunruhigt nachhaltig. Möglicherweise haben wir das Zimmer noch gar nicht verlassen.