Black Snake Moan

| Ralph Umard |

Inhaltlich und stilistisch bizarres Südstaaten-Drama über eine junge Nymphomanin und einen alten Mann, der das Mädchen mit Bibel und Bluesmusik therapiert.

Eine nymphenhafte, minderjährige Verführerin hatte Christina Ricci schon in Ang Lees The Ice Storm gespielt, doch ihre Darstellung einer nymphomanen jungen Frau namens Rae in Black Snake Moan gestaltet sie mit einer Offenheit, die zeitweilig fast schon schockierend wirkt. Nachdem Raes Geliebter Ronnie (Justin Timberlake) zum Wehrdienst eingerückt ist, gerät das Mädchen an einen üblen Typen, der sie halbtot schlägt. Am Straßenrand wird sie von einem alten Bluesmusiker (Samuel L. Jackson) aufgelesen, der nicht nur ihre Wunden, sondern auch ihre Nymphomanie heilen will.

Sie habe eine Vorliebe für extreme Charakterrollen, verriet Christina Ricci in einem Interview, am liebsten würde sie sogar einmal eine Serienmörderin spielen. In ihrer Rolle als White-Trash-Schönheit, die bei ihren Ausschweifungen auch vor intimen Kontakten mit Halbwüchsigen nicht zurückschreckt, erscheint sie in Black Snake Moan beinahe beängstigend psychopathisch, streckenweise geradezu dämonisch, wie ein Sukkubus. Um ihre Triebe zu bändigen, legt ihr selbst ernannter Erlöser (mit dem bezeichnenden Namen Lazarus) sie an eine 20 Kilo schwere Eisenkette. Mittels Bibel und Bluesmusik versucht er, sie zu therapieren – dabei hat Lazarus selber mit inneren Dämonen zu kämpfen und leidet schwer unter dem Verlust seiner Frau, die mit einem anderen Mann lebt.

Black Snake Moan ist ein verstörend bizarres Psychodrama (auch Ronnie wird von schweren Angstattacken geplagt), voller extremer Bilder und greller Effekte, wie etwa bei einer Abtreibungsszene, die von Blitz und Donner untermalt ist. Regisseur Craig Brewer hatte schon in früheren Werken wie Hustle and Flow (2005) oder The Poor and Hungry (2000) soziale Außenseiter in Tennessee, im tiefen Süden der Vereinigten Staaten, porträtiert, wobei Musik immer eine wichtige Rolle spielt. In Black Snake Moan übernimmt der Blues, der vor allem in der Südstaaten-Metropole Memphis eine lange, wichtige Tradition besitzt, diese Funktion und verleiht dem bizarren Plot eine eindringliche, aber auch versöhnliche Note. Samuel Jackson, der, wie übrigens auch Justin Timberlake, aus Tennessee stammt, hatte für seine Rolle eigens ein paar Takte eingeübt. Sowohl Handlung als auch Inszenierung (der Filmtitel ist einem Bluessong von Blind Lemon Jefferson entlehnt) sind pure „Pulp Fiction“, aber weitaus gefühlvoller und origineller als das epigonale Kino von Quentin Tarantino.