Helden der Nacht

| Thomas Abeltshauser |

Düsteres Drama um zwei ungleiche Brüder, die in das Spannungsfeld zwischen Polizei und russischer Mafia geraten.

Wie ein Krake baut die Russenmafia ihren Einfluss aus. Nicht nur in der Halbwelt westlicher Großstädte, sondern offensichtlich auch in den Köpfen von Hollywood. Neben David Cronenbergs Ende des Jahres angelaufenem, in London angesiedeltem Thriller Eastern Promises widmet sich nun US-Independentregisseur James Gray dem russischen Exilantengangstermilieu, diesmal im New York der späten 1980er Jahre. Bobby Green (Joaquin Phoenix) ist Manager eines sehr erfolgreichen, von Russen geführten Nachtclubs in Brooklyn, in dem neben der feierfreudigen Yuppie-Society auch russischstämmige Mobster verkehren und ihre Drogengeschäfte abwickeln. Er hält sich so weit wie möglich heraus und damit alles geschmeidig läuft in dieser Halbwelt, soll niemand wissen, dass sein Bruder Joseph Grusinsky (Mark Wahlberg) und ihr gemeinsamer Vater Burt (Robert Duvall) bei der New Yorker Polizei sind, dafür hat Bobby sogar den Namen seiner Mutter angenommen. Doch als Joseph nach einer Razzia im Club nur schwer verletzt ein Attentat überlebt, muss Bobby Stellung beziehen.

We Own the Night ist mehr Brüder- als Gangsterdrama, irgendwo zwischen Kain und Abel, The Departed und Eastern Promises: Es geht um Ehre, Treue und Blutsbande, doch die Helden sind gebrochen. James Grays dritte Regiearbeit ist ein düsteres, ein blutig-leidenschaftliches Werk, dem es aber auf eigenartige Weise an Substanz fehlt. Er weiß dem Genre nichts Neues abzugewinnen, das Setting im New York Ende der 1980er wirkt zu nostalgisch, um authentisch zu sein und sein patriarchales Familienbild ist letztlich reaktionär. Die Konsequenz seines Debüts Little Odessa (1994), ebenfalls im russischen Gangstermilieu angesiedelt, erreicht er damit nicht. Auch den direkten Vergleich mit dem thematisch verwandten, aber ungleich reduzierter, stilsicherer inszenierten Eastern Promises verliert der pathetische, vor allem in der zweiten Hälfte fast operettenhafte We Own the Night. Eine undankbare Rolle hat Mark Wahlberg als rechtschaffener wie ehrgeiziger Polizist und guter Sohn, der damit fast nahtlos an seinen Part in Scorseses The Departed anschließen kann, aber hier nur als Spiegel für die dramatische Wandlung von Phoenix’ Bruderfigur agiert. Joaquin Phoenix spielt einmal mehr den traumatisierten, gebrochenen Mann mit einer körperlichen Präsenz, die seinen Status als Ausnahmedarsteller festigt. Die Schwächen des Films kann allerdings auch er nicht überspielen.