Schindlers Häuser

| Günter Pscheider |

Fotografische Reise zu den Bauwerken des Architekten Rudolph Schindler…

Eine unscheinbare Straßenkreuzung in Los Angeles. Die Kamera schießt ein statisches Bild von den vorbeifahrenden Autos, den Gärten und Häusern. Der Off-Kommentar des Regisseurs Heinz Emigholz macht darauf aufmerksam, dass im Frame ein Gebäude des österreichischen Architekten Rudolph Schindler zu sehen ist, der nach seinem Studium bei Adolf Loos und Otto Wagner sowie Lehrjahren bei Frank Lloyd Wright von 1922 bis zu seinem Tod 1953 400 Häuser in Kalifornien entwarf, von denen 150 auch gebaut wurden. Nach einigen philosophischen Gedanken über die angeblich nicht existente Autorenschaft von Architekten, verstummt Emigholz für den Rest des Films und macht sich mit akribisch komponierten Einstellungen daran, seinen Eingangskommentar zu widerlegen.

Er filmt 40 der von Schindler entworfenen Häuser, außen und innen. Auf der Tonspur dominieren die Alltagsgeräusche der Umgebung, die oft wie seltsame Botschaften aus einer anderen Welt die statischen Frames zu kommentieren scheinen. Die Bewohner sind bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht im Bild, was die Konzentration auf die architektonischen Details erleichtert. Verschiedene Bildausschnitte zeigen immer wieder die zersiedelte Landschaft des gegenwärtigen Los Angeles, aber der Fokus liegt ganz klar auf den Gebäuden mit ihren geraden Linien und lichtdurchlässigen Räumen. Auch wenn man sich nicht besonders für Architektur interessiert und die Aufnahmen nach einer Weile auf Grund der, zumindest für den Laien, sehr ähnlichen Häuser redundant wirken, bleibt der Film bis zum Schluss interessant. Vor allem weil er es ermöglicht, den Blick schweifen zu lassen über die exzellent fotografierten Räume und die vielen Details des täglichen Lebens der Bewohner. Natürlich ist immer alles penibel aufgeräumt, wer lässt schon jemanden sein chaotisches Zuhause filmen, weshalb die Bilder manchmal etwas gespenstisch leblos wirken, doch beflügelt dies auch die Phantasie, sich jene Bewohner vorzustellen, die in den funktionalen Häusern leben. Auch macht man sich fast zwangsläufig Gedanken darüber, wie stark die Architektur eines Hauses die Inneneinrichtung beeinflusst. Denn die Besitzer halten sich zu einem überwiegenden Teil an die Vorgaben der geraden Linie. Runde Formen werden meist dezent als Kontrapunkt eingesetzt, nicht mehr. Wenn dann unvermittelt ein Viennale-Plakat im Bild auftaucht, fühlt man sich gleich noch mehr zu Hause in diesem meditativen Film über den prägnanten Stil Rudolph Schindlers.