Überlanger Konzertfilm mit den Rolling Stones, der vor allem unter dem Gehampel des Frontmannes leidet. Fanveranstaltung.
Eines der beiden Konzerte, die die Rolling Stones im Herbst 2006 im ehrwürdigen Beacon Theatre am New Yorker Broadway gaben, und aus denen Shine a Light kompiliert ist, fand im Rahmen der Feierlichkeiten zu Bill Clintons 60. Geburtstag statt: Der Ex-Präsident schenkte sich und der New Yorker High Society ein Wohltätigkeitskonzert mit der berühmtesten Rockband der Welt. Im Vergleich zu den Fußballstadien, die die Stones ansonsten beschallen, bietet das Beacon Theatre mit seinen 2800 Plätzen eine geradezu intime Atmosphäre. Allerdings führte die Exklusivität des Ereignisses auch dazu, dass das Publikum weniger aus eingefleischten Rock’n’Rollern bestand, denn aus den Reichen und Schönen der Upper East Side. Und die wiederum, statt abwechselnd Mähnen und Feuerzeuge zu schwenken oder einfach nur rock’n’roll-gerecht auszurasten, schunkelten wohlerzogen und fotografierten mit ihren Mobiltelefonen.
Das fade VIP-Publikum dürfte einer der Gründe dafür sein, dass Martin Scorsese sich auf die Beobachtung des Geschehens auf der Bühne konzentriert. Dort tut sich jedoch auch nicht viel, jedenfalls kaum etwas, was über die Routine einer professionellen Show hinausginge. Einige wenige Male sprühen Funken und fließt Herzblut, macht die ganze Sache einfach Spaß. Wenn zum Beispiel Jack White (White Stripes) während seines Gastspiels einfach nicht aufhören kann zu grinsen. Oder wenn der Blues-Musiker Buddy Guy dem alten Muddy-Waters-Song Champagne and Reefer rauschhafte Wildheit schenkt. Und natürlich, wenn Keith Richards You Got the Silver singt. Richards kann bekanntlich nicht singen. Aber genauso bekanntlich wusste er das schon immer durch besonders leidenschaftlichen Einsatz mehr als wett zu machen. Weswegen es auch diesmal die reinste Freude ist, ihn zu hören.
Wem allerdings Mick Jaggers entfesseltes Gezappel, das ja nun mal den Großteil der Bühnenshow der Stones ausmacht, schon immer eher auf die Nerven fiel, der sollte diesen Film entweder meiden oder sich auf Schwindelgefühle und Augenschmerzen einstellen. Wie ein Kugelblitz nämlich zischt der Mann als permante Unschärfe im Bild umher und verbreitet Hektik, wo wirkliches Engagement viel besser käme. Und der Versuch, um Mick Jagger herumzuschauen und stattdessen auf die anderen, irgendwie weitaus interessanteren Musiker zu fokussieren, ist leider nur sehr begrenzt von Erfolg gekrönt. Glauben Sie mir, ich habe es versucht.
