Zwei in Brügge gestrandete Auftragskiller werden von existenzialistischen Sorgen geplagt.
Nachdem ihr letzter Auftrag nicht ganz nach Plan verlaufen ist, müssen die beiden Profikiller Ray (Colin Farrell) und Ken (Brendan Gleeson) London auf schnellstem Weg verlassen und, als Touristen getarnt, in Brügge untertauchen. Ein wenig verloren, wie Vladimir und Estragon in Warten auf Godot, sitzen die beiden nun in der malerischen Stadt herum und warten auf den Anruf ihres Bosses. Doch den historischen Sehenswürdigkeiten können Ken und vor allem Ray nicht allzu viel abgewinnen, also vertreiben sich die beiden die Tage mit Kneipenbesuchen und ironischen Sprüchen. Vor allem haben sie zum ersten Mal ausreichend Zeit, um über sich selbst nachzudenken. Was zu sehr ambivalenten Erkenntnissen führen kann, wenn man seinen Lebensunterhalt als Auftragsmörder verdient. Und plötzlich droht der fehlgeschlagene Job, tödliche Konsequenzen für die beiden Killer nach sich zu ziehen.
Es ist eine riskante Gratwanderung, die Regisseur Martin McDonagh mit seinem ersten Langspielfilm In Bruges unternimmt. Seine Inszenierung pendelt zwischen bitterböser Komödie und existenzialistisch angehauchtem Drama, wechselt vom selbstreferenziellen Spiel mit Genre-
Mechanismen nahtlos zum todernsten Thriller über. Doch McDonagh versteht es, die schwierige Übung mit Bravour zur meistern und mit jeder stilistischen Wendung stets den richtigen Ton zu treffen. Dass der Regisseur dabei auch der dem Plot durchaus innewohnenden Versuchung widersteht, in manierierte, überzogene Stilisierungen zu verfallen und stattdessen auf eine geradlinig vorgetragene Geschichte im exakt dosierten Erzähltempo vertraut, spricht nur noch mehr für ein rundum gelungenes Debüt.
Kongenial unterstützt wird Martin McDonagh dabei von seinem Ensemble. Colin Farrell und Brendan Gleeson verstehen es, ihre Rollen als facettenreiche Charaktere zu gestalten und ihre Figuren davor zu bewahren, zu eindimensionalen Karikaturen zu verkommen. In einer
Mischung aus genregewohnter Coolness und existenzialistischer Verunsicherung verlieren die beiden Profikiller zunehmend die Orientierung, ihre aufgesetzte Selbstsicherheit weicht nach und nach einer beinahe rührenden Verlorenheit. Womit sie den Zuschauer bereits auf ein Finale von epischer Tragik einstimmen, das sich, entgegen aller Hoffnungen, doch schon längst abgezeichnet hat. Um jedoch selbst im größten Drama noch einen letzten Schuss von rabenschwarzem Humor beizumischen.
