Spektakuläres Popcorn-Kino mit einem asozialen, alkoholabhängigen Supermann, der zum hilfreichen Helden reift…
Er hat die Kraft eines Superhelden und das Gebaren eines Rüpels. Er ist unverwundbar und säuft unmenschlich viel Whiskey. Schwach wird dieser titanische Grobian nur bei einer einzigen Frau (Charlize Theron, wer könnte es ihm verdenken?), die auf ihn wirkt wie Kryptonit auf Clark Kent (und außerdem hat er noch eine besondere Schwäche für Spaghetti mit Fleischklößen).
Hancock nennt sich der asoziale Supermann mit „Leckt-mich“-Attitüde, und Will Smith spielt die für ihn maßgeschneiderte Rolle mit offensichtlichem Vergnügen. Zu Beginn sieht man ihn mit kurzen Hosen auf einer Bank im Freien schlafen. Dann blinzelt er verkatert in die Sonne und fliegt taumelnd durch die Lüfte, die Schnapsflasche in der Hand, um einige wild um sich schießende Verbrecher auszuschalten, wobei er so nebenbei Häuser und Straßen verwüstet. Der megastarke Chaot richtet regelmäßig mehr Schaden an, als er verhindert, und so ist Hancock in Los Angeles längst böse verschrien, man möchte ihn am liebsten für immer loswerden. Bis ein superfreundlicher PR-Profi die Wende in Hancocks Leben bewirkt. Der chronische Philantrop überredet den misanthropen Trinker zum Alkoholentzug und bringt einen kompletten Imagewandel zuwege. Was die Actionsequenzen betrifft, lässt Hancock wenig zu wünschen übrig. Für die visuellen Computereffekte zeichnet John Dykstra verantwortlich, seines Zeichens zweifacher Oscar-Preisträger (Star Wars, Spiderman 2) und Mitbegründer des berühmten Industrial Light & Magic-Studios.
Anfangs macht das Spektakel noch richtig Spaß, mit witzigen Sprüchen und Schwindel erregenden Szenen. Doch wenn der Titelheld zwecks Sozialisierung freiwillig ins Gefängnis wandert, beginnt die Handlung ein wenig durchzuhängen, Erklärungen zur Herkunft des Supermanns wirken an den Haaren herbei gezogen. Auf Melodramatik und Tragik getrimmte Szenen evozieren keine Empathie für die Hauptfiguren, sie sind und bleiben doch ganz offensichtlich reine Phantasiegeschöpfe, die ihre Sterilität nie ablegen können. So bleibt der Versuch, Action-Komödie und psychologisches Drama zu fusionieren, wenig überzeugend. Auf Dauer richtig nervend sind jedoch die häufig eingesetzten extremen Großaufnahmen von Gesichtern. Die übermäßig bewegte Kamera klebt förmlich an den Köpfen, kreist um sie herum, schwenkt und wackelt, so dass man am Ende des Films selber etwas wackelig aus dem Kino wankt.
