Melancholischer Reigen der Sorgen und Nöte einer Hand voll Bewohner von Paris.
Eiffelturm, Moulin Rouge, Sacre Coeur, Pantheon und Montparnasse-Turm – die klassischen Sehenswürdigkeiten dürfen in einem Film, der die französische Hauptstadt schon im Titel trägt, nicht fehlen. Doch Cedric Klapischs Paris ist alles andere als eine Sightseeing-Tour. Zwar sieht man beinahe aus jedem Fenster den Eiffelturm, die Asche einer Verstorbenen wird vom Montparnasse Turm verstreut und zwei Liebende treffen sich auf den Stufen des Sacre Coeur, doch im Mittelpunkt stehen eindeutig alltägliche Szenen, wie der Einkauf beim Bäcker oder auf dem Gemüsemarkt. Hier kommen sich die allein erziehende Mutter Elisa und der einsame, unter der Trennung von seiner Frau leidende, Gemüsehändler Jean näher, hier begegnet der herzkranke Tänzer Pierre der Angebeteten, die er heimlich von seiner Wohnung aus beobachtet. Pierres Herz wird in diesem vielleicht melancholischsten aller Paris-Filme zur Metapher für den Zustand der Seine-Stadt und ihrer Bewohner: Gealtert, mit einer langen Geschichte hinter sich wie der Historiker Roland, der für eine TV-Sendung den Stadtführer spielt, aber gleichzeitig auch auf die Zukunft ausgerichtet, wie die städtebaulichen Projekte von Rolands Bruder, dem Architekten Philippe.
Weniger um junge Verliebtheit geht es hier, schon eher um Vergänglichkeit und Menschen in der Krise. Folglich nicht im Frühling oder Sommer, sondern im Herbst und Winter spielt dieser Reigen von Schicksalen und Sehnsüchten, bei dem sich die Wege der Figuren teilweise gar nicht und teils nur zufällig kreuzen. Gewissermaßen einen Gegenpol zu den einzelnen Episoden von Paris, Je T‘aime, die zudem allesamt von Nicht-Franzosen gedreht wurden, setzt Klapisch nicht zuletzt durch diese kaleidoskopartige Erzählweise in Szene. Statt die einzelnen Geschichten nämlich in einzelne Episoden zu separieren, erzeugt er ein Kontinuum, bei dem er aber gleichzeitig – wie schon mit dem während des Vorspanns fallenden Satz „Das Universum ist überall“ angedeutet – nicht das Bild von Einheit, sondern von Vielfalt, sowohl der Stadt als auch des Lebens, betont. Zu viel will Klapisch zwar, wenn er krampfhaft auch die Geschichte eines nach Paris flüchtenden Afrikaners hineinpackt, aber dank eines lustvoll aufspielenden Ensembles gelingt ihm doch eine charmante, teils hinreißend komische, teils schwermütige Liebeserklärung nicht nur an seine Heimatstadt, sondern auch an das Leben im Allgemeinen.
