Penelope

| Alexandra Seitz |

Ein modernes Märchen, in dem ein verzaubertes Mädchen die Welt bezaubert, obwohl damit zunächst nicht zu rechnen war.

Penelope Wilhern hat einen Rüssel. Eigentlich ist es eher eine recht niedliche Schweinsnase. Aber im Gesicht einer jungen Frau im heiratsfähigen Alter hat diese Art von Riechorgan trotzdem nichts zu suchen. Doch wie kam sie überhaupt dort hin? Die Wilherns sind eine stinkreiche Familie von altem Adel, die in grauer Vorzeit, wie das damals eben so üblich war, mit einem Fluch belegt wurde. Verschwinden würde die Schweinsnase aus dem Gesicht der weiblichen Nachkommenschaft erst, wenn die Verfluchte „by one of her own kind“ geliebt werde, prophezeite seinerzeit etwas kryptisch die Hexe. Also machen sich die Wilherns auf die Suche nach Blaublütern, die über Penelopes Nase hinweg ihre Mitgift erblicken und sich trauen.

So weit, so märchenhaft. Nun ist allerdings diese Geschichte, die Mark Palansky in seinem Spielfilmdebüt Penelope erzählt, in der Gegenwart angesiedelt, und deswegen ist das mit der Erlösung nicht mehr ganz so einfach wie zu der Gebrüder Grimm Zeiten. Nicht nur, weil edelmütige Prinzen in der modernen Welt rar geworden sind, sondern auch, weil in derselben Paparazzi, Spieler, Betrüger und Finsterlinge aller Art ihr Unwesen treiben. Die arme Penelope mit ihrer verfluchten Nase ist in dieser sensationsgeilen Gesellschaft für die Opferrolle geradezu prädestiniert. Dass es dann doch anders kommt, hat zunächst einmal damit zu tun, dass man es im Genre der romantischen Komödie mit der Tragik nicht übertreiben sollte. Sodann aber auch damit, dass Penelope, dank Christina Ricci, derart unwiderstehlich ist, dass sogar der von Peter Dinklage mit Genuss am Fiesen gespielte, einäugige Klatschreporter Lemon gerührt sein Herz entdeckt. Und nicht zuletzt ist Penelopes Auserwählter zwar kein Prinz, wird dafür aber von James McAvoy verkörpert, der sich bekanntlich selbst mit dem größten Unfug noch die größte Mühe gibt – seine Rolle als Mr. Tumnus im ersten Teil des The Chronicles Of Narnia-Zyklus hat das wohl hinlänglich bewiesen.

Weil Inszenierung und Montage episodisch und unkonzentriert wirken und Regisseur Palansky bei der Behandlung seiner Themen an der Oberfläche bleibt, ist Penelope am Ende aber dann doch nicht mehr als eine Anhäufung von einigermaßen unterhaltsamen und charmanten Momenten. Darauf, dass ein Fluch nur so mächtig ist wie die Macht, die man ihm einräumt, und dass man sich zunächst einmal selbst annehmen muss, bevor das auch die anderen tun können – nun, darauf wäre man zur Not auch selbst gekommen.