Ein Film rund um Menschenrechte, Fußballleidenschaft und das rebellische Lachen der Frauen.
Ein Jahr lang betreiben Marlene, Ethnologin und Linksverteidigerin bei der Frauenfußballmannschaft BSV Al-Dersimpor, und Ayat, iranischer Theater- und Filmregisseur, die Umsetzung eines kühnen Vorhabens: Die Kreuzberger Mannschaft soll gegen die iranische Frauennationalmannschaft in Teheran spielen – der erste öffentliche Frauenfußball in der iranischen Hauptstadt, wo Frauen noch nicht einmal als Besucherinnen in die Stadien dürfen. Unterstützer und Geldgeber müssen gefunden werden, und kaum ist die Idee auf Schienen, begleiten Hürden die Umsetzung: Von den Visa für die deutschen Fußballmädls über die plötzlich versagende Unterstützung bis hin zu untersagten Kontaktaufnahmen.
War das Spiel ursprünglich im Azadi-Stadion, Asiens größter Fußballarena, geplant, so wurde der gemeinsame Traum schließlich in einem etwas mickrig aussehende Fußballfeld, umgeben von Mauern, in die Tat umgesetzt. Draußen: Männer, die nicht ins Stadion dürfen. Drinnen: 22 leidenschaftlich kickende Frauen in grotesk anmutenden Ganzkörpertrikots. Und rund 1000 Besucherinnen allen Alters – unter Schleierzwang wegen der Filmaufnahmen –, die im Verlauf des Spiels und zur Empörung der Sittenwächterinnen einen gemeinsamen Schlachtruf der Gleichberechtigung anstimmen, mit einer fröhlichen Intensität, die Gänsehaut erzeugt.
Football Under Cover verfährt klug mit seinen Thematiken, bietet Identifikationsfiguren, bleibt dennoch beobachtend, wohnt den Gesprächen der Frauen untereinander bei, gibt Einblick in das eine und andere Leben der Spielerinnen, sowohl in Kreuzberg als auch in Teheran und in die kraftvolle Beiläufigkeit ihrer Witze. Es ist überhaupt dieses Lachen – ob im Flugzeug nach Teheran, als die Deutschen ihre Schleier anprobieren, oder als Applaus auf den lauten Widerspruch einer Frau gegen die Anmahnung der Sittenwächterinnen im Stadion –, das wie ein undramatischer Ausbruch die Geschehnisse begleitet. Ohne Beschönigung, denn Traurigkeit und Furcht haben ebenso Platz. Selbst dass das Team Marlene Assmann, Ayat Najafi und David Assmann ab und zu auch eine im Dokumentarfilmmetier oft verpönte Filmsprache der Gefühle einsetzt, wie etwa Zeitdehnung, ist der Aufrichtigkeit des Doppelunterfangens – die Umsetzung des Spiels und den Film darüber als, ja, als Botschaft – angemessen.
