Kiefer Sutherland kämpft gegen Dämonen, die in Spiegeln hausen – wo doch die eigenen viel spannender wären.

Das Grundsetting birgt Potenzial. Der französische Regisseur Alexandre Aja, der mit seinem überraschend rabiaten Debüt Haute Tension 2003 die letzte Welle drastischer Horrorfilme mit lostrat, verpflanzt in seinem dritten Film Mirrors Kiefer Sutherland in ein an der asiatischen Horrortradition geschultes „Haunted House“-Szenario. Der von Sutherland souverän zerrüttet gespielte Cop Benjamin Carson nimmt, nachdem er versehentlich einen Kollegen erschossen hat, einen Job als Nachtwächter in einem Jahre zuvor ausgebrannten Kaufhaus an. Das einzige, was in dem majestätischen Gebäude nicht verkohlt ist, sind zahllose großformatige Spiegel, in denen sich schon in der ersten Nacht, wer hätte es gedacht, unheimliche Dinge zeigen, die alsbald Einfluss auf die Welt der Lebenden nehmen.

Alexandre Aja, der ein gutes Gespür für nachhaltig grauenhafte Bilder hat, schöpft aus dem Vollen – Menschen gehen in Flammen auf, zerschneiden sich die Halsschlagader, eine Frau reißt sich den Unterkiefer vom Gesicht. „Everything that causes a reflection is dangerous“, versucht der Held der Mutter seiner Kinder (Paula Patton) zu erklären. Natürlich glaubt ihm niemand. Ein weiteres Mal muss ein von Sutherland gespielter Charakter ausziehen, seine Familie zu retten. Das heisere Bellen („Don‘t make me threaten you!“) hat er während der sechs 24-Staffeln perfektioniert, und auch sonst sind die Parallelen unübersehbar. Benjamin Carson tut, was der dehydrierte Einzelkämpfer Jack Bauer nicht lassen kann: fluchen, Gewalt anwenden, verzweifelt sein, weitermachen. In seinen besten Momenten arbeitet sich der neuere Horrorfilm an der symbolischen Destruktion des verhärteten männlichen Körpers ab (dessen Ich-Ideal wiederum man im Actiongenre und eben auch in 24 bewundern kann). Insofern hätte aus Mirrors wirklich etwas werden können – Deconstructing Jack Bauer sozusagen. Bloß bleibt die Spiegelmetaphorik in Mirrors weitgehend leer. Aja beschränkt sich auf effektives Handwerk und bedient die spätestens seit dem US-amerikanischen Remake von Ringu etablierten Genrestandards (auch Mirrors basiert zumindest lose auf einem asiatischen Film, Into The Mirror von Sung-ho Kim). Das Ergebnis ist souverän inszeniert, alles in allem dann aber doch arg vorhersehbar. Ein, vor allem im Vergleich zum streckenweise formvollendet wahnwitzigen Haute Tension, sehr zahmer Film, der sich um die Dämonen seines Helden nicht groß kümmert.