Harmlose, aber in Frankreich sensationell erfolgreiche Komödie über einen Postamtsleiter, der in den vermeintlich rückständigen und barbarischen Norden Frankreichs versetzt wird.
Im Februar dieses Jahres angelaufen, entwickelte sich Bienvenue chez les Ch’tis rasch zum Kassenschlager. Mit 20 Millionen Eintrittskarten, die bis Mitte Mai verkauft werden konnten, überholte Dany Boons Film locker den bislang kommerziell erfolgreichsten französischen Film, die 1966 entstandene Louis-de-Funes-Komödie La Grande Vadrouille. Erzählt wird von einem provencalischen Postamtsleiter, der von einer Arbeitsstelle an der Cote d´Azur träumt, wegen eines versuchten Betrugs aber genau in die entgegen gesetzte Richtung versetzt wird, nämlich nach Nord-Pas-de-Calais – für Franzosen der Inbegriff der Rückständigkeit, gekennzeichnet durch eisiges Klima und Menschen mit vermeintlich barbarischem Charakter und einer Sprache, die kein normaler Franzose versteht. Dass der Postbeamte mit Widerwillen losfährt, die Region aber ganz anders erlebt als erwartet, versteht sich von selbst.
Nicht hohe filmkünstlerische Qualität, sondern vielmehr die volkstümelnde Machart dürften der Hauptgrund für den Erfolg sein. Denn Bienvenue chez les Ch’tis sieht in seiner Biederkeit und Harmlosigkeit, die den Film familientauglich machen, keineswegs wie modernes Kino, sondern vielmehr wie eine Komödie aus den Sechziger Jahren aus. Alle Figuren sind nett, wirkliche Konfliktsituationen werden nicht zugespitzt, sondern verharmlost. Sanft gespielt wird mit Stereotypen, ebenso wie mit den linguistischen und kulturellen Eigenheiten der nach ihrem Dialekt benannten „Ch’tis“. Nette Gags gibt es hier bis zur wilden Eigeninszenierung der französischen Klischeevorstellungen durch die „Ch’tis“ selbst, dabei entwickelt der wohl nur schwer zu synchronisierende Film auch einigen Sprachwitz. Aber nie wird Boon auch nur ansatzweise bissig und verweigert auch weitgehend den Blick auf die sozialen Probleme einer wirtschaftlichen Krisenregion. Wie ein Idyll erscheint hier der an der belgischen Grenze liegende Landstrich und den Tourismus könnte dieser Film durchaus ankurbeln. Die Probleme, die der Niedergang des Kohlebergbaus und der Textilindustrie mit sich brachte, werden dagegen ausgespart.
Gute Laune jenseits aller sozialen Realität möchte Bienvenue chez les Ch’tis verbreiten und erreicht ein Publikum nicht zuletzt dadurch, dass er einerseits in Zeiten der Globalisierung provinzielle Eigenheiten geradezu feiert und damit das Selbstbewusstsein vielfach verlachter, scheinbar sonderbarer Gruppen fördert, andererseits aber auch die Städter über ihre eigenen Vorurteile lachen lässt.
