Eine höchst vergnügliche Identitätssuche der etwas anderen Art
Die mythologische Figur des Werwolfs ist ein fest kanonisierter Bestandteil des Horrorgenres und hat sich damit einen festen Platz im populärkulturellen Universum erobert. Ruft man sich die einschlägigen Beispiele aus der Filmgeschichte in Erinnerung, zeigt sich, dass die Verwandlung in das angesprochene mythologische Wesen zumeist höchst unangenehme Nebenwirkungen für die Protagonisten mit sich bringt.
Da hat es jener weitverzweigte Familienclan, der im Mittelpunkt von 100% Wolf steht, besser getroffen, denn die unter Mondlicht stattfindende Transformation, zeitigt keine negativen Folgen. Ganz im Gegenteil, als Werwölfe mit außergewöhnlichen Kräften retten sie bei ihren nächtlichen Streifzügen Menschen aus brennenden Häusern oder bewahren Babys davor, aus offenen Fenstern zu stürzen. Kein Wunder also, dass Freddy Lupin es nicht erwarten kann, dass entsprechende Alter zu erreichen, in der er reif für die Verwandlung ist. Zudem winkt ihm als Sohn des Clanchefs die Aussicht, seinem Vater nachzufolgen und als „High Howler“ das Werwolfrudel anzuführen. Doch dann kommt alles ganz anders, der Vater stürzt bei einer waghalsigen Rettungsaktion ab, und als einige Jahre danach endlich seine Verwandlung ansteht, erlebt Freddy die nächste böse Überraschung: Er wird nämlich nicht zum mächtigen Werwolf, sondern nimmt die Gestalt eines Pudels an. Die pikierte Verwandtschaft erklärt ihm unverblümt, dass ihm ein Tag bleibe, um doch noch ein hundertprozentiger Werwolf zu werden.
Das Unterfangen verkompliziert sich noch, weil Freddys Onkel, der interimistisch als Anführer fungiert, Gefallen an der Position des High Howlers gefunden hat und mittels finsterer Ränkespiele dies auch zu bleiben gedenkt. Unerwartete Unterstützung findet der weiterhin als Pudel herumlaufende Freddy bei einer kleinen Straßenhündin namens Batty, die wegen ihrer geradezu magischen Fähigkeiten, Hundefängern zu entkommen, „Houndini“ genannt wird. Da Hunde und Werwölfe jedoch einander eher skeptisch begegnen, muss Freddy seine wahre Identität vor seiner neuen Freundin und ihren Hundekollegen geheim halten, was seine Lage noch verzwickter macht.
Ein rudimentärer Abriss des Plots lässt bereits erahnen, dass 100% Wolf – eine australische Produktion im Fachbereich Animation – tradierte Genre-Motive mittels einer aberwitzigen Mischung aus Fantasy, Abenteuer, Coming-of-Age und Humor geschickt zu variieren versteht. Eine ausgeprägte Liebe zum Detail und ein furioses Erzähltempo, das konsequent durchgehalten wird, sorgen dabei für einen anhaltend großen Spaßfaktor. Dass unter der turbulenten Oberfläche ein höchst charmantes Plädoyer für Vielfalt steckt, rundet den familientauglichen Spaß vollständig ab.
