Ein Blick in Miniaturen auf das Jahr 1939, das vielen als Annus mirabilis der Filmhistorie gilt.
Gutes und Schlechtes liegen oft nahe beieinander: Vor 75 Jahren brach nicht nur der Zweite Weltkrieg aus. Eine Vielzahl von Kritikerinnen und Kritikern ist der Meinung, dass 1939 das in seiner Gesamtheit beste Jahr der Filmgeschichte war. Natürlich ist diese Auffassung nicht ganz unumstritten – manche machen sich für 1974 stark, das Jahr, in dem Chinatown, The Godfather Part II, Angst essen Seele auf oder Emmanuelle erschienen. Bei den ray-Autorinnen und Autoren hat sich jedoch 1939 durchgesetzt, und die Auswahl der folgenden acht Filme hätte man ohne Qualitätsverlust noch gut und gern verdoppeln können. Dass Hollywood damals noch zu Recht den Namen Traumfabrik trug, sieht man daran, dass sechs der hier vertretenen Werke in Kalifornien gefertigt wurden. Die Diversität der Genres ist enorm und umfasst Crime (The Roaring Twenties), Western (Stagecoach), Liebesepos (Gone with the Wind), Gesellschaftssatire (La Règle du jeu), Musical (The Wizard of Oz), Spionagefilm (The Spy in Black), Drama (The Hunchback of Notre Dame) und Politsatire (Mr. Smith Goes to Washington). Nebenbei waren Gone with the Wind und The Wizard of Oz – ein Doppelschlag von Regisseur Victor Fleming – auch unter den ersten Meisterwerken, die auf Farbfilm gebannt wurden. Individuell gesehen gilt übrigens ein europäisches Werk als das beste der hier vertretenen: Renoirs La Règle du jeu belegt gegenwärtig im großen, alle zehn Jahre erhobenen „Sight & Sound“-Kanon Rang vier der besten Filme aller Zeiten. Auf Platz eins dieser Liste findet sich übrigens ein gewisser Alfred Hitchcock mit Vertigo (1957). Doch ausgerechnet der Master of Suspense hatte 1939 mit Jamaica Inn einen zwar unterhaltsamen, für seine Verhältnisse aber eher durchschnittlichen Film in den Kinos.
