Julie Delpys Regiedebüt macht den Aufenthalt eines Amerikaners in Paris zu einem zweifelhaften Vergnügen.
Hasenköpfe als Hauptspeise, Schimmel an den Wohnungswänden, und ein Vater, der an nichts anderes denkt als an Sex. Für den jovialen und eigentlich recht liberalen amerikanischen Innendesigner Jack kommt der Besuch bei den Eltern seiner französischen Freundin Marion einem Ausflug zu den Barbaren gleich. Nur zwei Tage will das in New York lebende Paar in Marions Heimatstadt verbringen, um vom Urlaub noch zu retten, was zu retten ist. Nachdem ihr Trip nach Venedig statt in heißen Liebesschwüren in einer Beziehungskrise endete, soll nun Paris, die Stadt der Liebe par excellence, den letzten Funken Romantik aus ihrer Beziehung hervorholen. Doch weit gefehlt, anstatt ihre Abende Rotwein trinkend auf dem Montmartre zu verbringen oder sich leidenschaftlich auf dem Eiffelturm zu küssen, schlägt sich Jack mit Marions Ex-Freunden herum. Oder muss sich gegen die hämischen Sticheleien ihres Vaters zur Wehr setzen, der von Amerikanern nicht besonders viel zu halten scheint. Denn: Ils ne parlent pas français.
2 Tage Paris, das Regiedebüt der Schauspielerin Julie Delpy, erscheint wie die böse Version von Richard Linklaters Before Sunrise, in dem Delpy neben Ethan Hawke die weibliche Hauptrolle spielte. Und in dem die Französin auf den Amerikaner Jesse trifft und mit ihm frisch verliebt und sprühend vor Charme durch das nächtliche Wien spaziert. In 2 Tage Paris ist von dem berauschenden Gefühl des ersten Verliebtseins gänzlich wenig übrig geblieben. Todernst wird jede Kleinigkeit bis ins Detail ausdiskutiert. Es ist, als könne man sehen, was aus dem französisch-amerikanischen Duo Celine-Jesse aus Linklaters Film hätte werden können, wenn sie ein Paar geworden wären: Ein amerikanischer Hypochonder, der ganz Frankreich wegen seiner Streitkultur ins Anger Management schicken will, und eine sprunghafte junge Frau, die nur so aus Spaß die Penisse von Männern mit Luftballons verziert und Fotos davon schießt. Die filmische Sprache, die Regisseurin Delpy für diese bissige Beziehungskomödie wählt, ist klassisch, bisweilen ein wenig verspielt und passend zum Drehbuch, für das Delpy ebenso wie für den Schnitt und für die Musik verantwortlich ist. Ein pointierter, schneller und recht amüsanter Film, der insbesondere durch die Eltern von Marion, verkörpert von Delpys Eltern, den Schauspielern Albert Delpy und Marie Pillet höchstpersönlich, an Charme gewinnt.
