Wie gewonnen so zerronnen. – Diese schlichte Weisheit wird in „21“ zwar mit Getöse, doch ohne Nachhaltigkeit illustriert.
„Die Bank gewinnt immer“ lautet die meist vergeblich ausgesprochene Warnung, die den Spieler davon abhalten soll, Haus und Hof zu verspielen. Freilich, dass die Bank immer gewinnt, liegt daran, dass der Spieler seiner Gier erliegt. Er hört nicht auf zu spielen, wenn er gewonnen hat, er will mehr, er will alles, also spielt er solange weiter, bis er dieses nie zu erreichende Alles wieder verloren hat.
Allerdings haben Mitte der Neunziger Jahre
einige schlaue Mathematik-Studenten des Massachussetts Institute of Technology (M.I.T.) ein Zähl-System entwickelt, mit dem sie die Bank beim Blackjack schlagen konnten und sodann die Kasinos in Las Vegas um mehrere Millionen Dollar erleichterten. Auf dieser wahren Geschichte – in Buchform bereits ein Bestseller – beruht Robert Luketics auf Hochglanz polierter Spielerfilm, der sich jedoch nicht einmal die Mühe macht, die dem ganzen Unterfangen zugrunde liegende Karten-Zählerei so zu erklären, dass auch mathematisch Minderbegabte sie verstünden. Der Vorgang des Kartenspielens selbst vermittelt demnach wenig Spannung und auch die wie zum Ersatz künstlich mit allerlei Irrungen und Wirrungen ausstaffierte Handlung vermag nicht zu begeistern. Zu holzschnittartig agiert das Personal, zu vorhersehbar sind die sich entwickelnden Konflikte, zu oberflächlich bleibt der Zugriff auf das Thema. Dabei erstaunt vor allem die Indifferenz gegenüber der moralischen Implikation dieses groß angelegten Betrugsmanövers. In der Rahmenerzählung fühlt sich Ben Campbell, die etwas nerdige Hauptfigur, sogar bemüßigt, mit seinen Las-Vegas-Eskapaden seiner Bewerbung für ein Stipendium an der renommierten Harvard Medical School Nachdruck zu verleihen. Deren exorbitante Studiengebühren waren schließlich der Grund für Campbells Einstieg in die Zähler-Truppe; genügend Geld fürs Studium wollte er sich verdienen – bevor er, wenig überraschend, dem Glitzer und Flitter erlag, sich dem Konsumrausch ergab, und folgte, was folgen musste: Hochmut kommt vor dem Fall. Banaler geht’s nicht.
Einzig Laurence Fishburne sorgt für dringend nötige Unterhaltung, wenn er in seiner Eigenschaft als Überwachungsspezialist Cole Williams („Loss prevention“ steht auf seiner Visitenkarte) gegen die modernen Zeiten mit ihrer Infrarot-
Gesichtserkennungssoftware auf verlorenem Posten seinen Mann steht und dabei nicht einmal mehr rauchen darf.
