Freundschaft, Verrat und Vergeltung im Gangstermilieu vor mediterraner Kulisse
Eine mordbereite Meute maskierter Männer lauert dem ehemaligen Mafiapaten Marseilles Charly Mattei auf und streckt ihn mit 22 Kugeln nieder. Wundersamerweise überlebt der Schwerverwundete das Attentat und beginnt bald nach der Genesung im Alleingang einen erbarmungslosen Rachefeldzug gegen die Täter und ihre Auftraggeber. Inspiriert wurde der Regisseur, Autor und Schauspieler Richard Berry (in L’immortel ist er in der Rolle des Aurelio Rampoli zu sehen) zu seiner episch angelegten, überwiegend fiktionalen Filmgeschichte durch einen wirklichen Mordversuch: 1977 überlebte der damals 47-jährige Gangster Jacky Imbert den Überfall eines Killerkommandos auf einem Parkplatz in Cassis trotz schwerer Schussverletzungen und wurde unter dem Spitznamen „Der Unsterbliche“ legendär. Imbert wurde für die Recherchen zu L’immortel von Berry mehrfach interviewt, auch Hauptdarsteller Jean Reno traf ihn.
Reno, der sich als Mime meist darauf beschränkt, seine Statur und einen stoischen Gesichtsausdruck zur Schau zu stellen, wurde von seinem langjährigen Freund und Regisseur Berry emotional einiges abverlangt: Wochenlang übte Berry mit seinem Star den Gefühlsausbruch für eine Szene mit der Kripokommissarin (Marina Vois), von der Reno heulend Hilfe erflehen soll. Obwohl er Effekthascherei angeblich ablehnt, nutzt Berry den modischen „Ruckel-Look“ (erzeugt durch Verlängerung der Verschlusszeit in der Kamera) in der Entführungsszene am Filmbeginn ausgiebig, ansonsten zeigt er eine Vorliebe für Rückblenden und Parallelmontagen. Die vielen Groß- und Detailaufnahmen wirken wie Comic-Bilder, bei der Charakterzeichnung orientiert sich Berry an bekannten Vorbildern, der psychopathische Pascal Vasetto beispielsweise erinnert an Joe Pescis Rolle in GoodFellas. Weit grausamer als bei Scorsese sind Berrys Gewaltdarstellungen: Folter, Sadismus, Gesichtsschuss in Großaufnahme, Menschen fressende Hunde. Die Kombination von explosiven Actionszenen und überzogener Melodramatik – die finale Familienszene beim Sonnenuntergang grenzt an Kitsch – lässt ans Hongkong-Kino denken.
Aus ungezählten Genrefilmen bekannt, aber auch im wirklichen Leben oft zutreffend, was Herkunft und Sozialisation betrifft, ist die vom Regisseur expressis verbis intendierte Moral der Geschichte: Seiner Vergangenheit entkommt man nicht.
