Auf einer Highschool-Toilette endet ein Leben, eines schönen Nachmittags um kurz nach halb drei. 2:37 handelt von den Gründen.
Ziemlich rasch stellt sich der Eindruck des Schon-mal-Gesehenen ein. Eine Kamera gleitet vorsichtig durch die Korridore einer Highschool, folgt einzelnen Schülern, verlässt sie, nimmt woanders den Faden einer anderen Erzählung auf, bis sich Wege überkreuzen und narrative Stränge verweben. Dazu Musik, die das Schweben der Kamera verdoppelt. Überhaupt: Das Ganze spielt an einer Highschool! Es dauert also nicht lange, bis einem Elephant einfällt, Gus Van Sants tranceartige Verarbeitung des Amoklaufes zweier Schüler an der Columbine Highschool im April 1999.
Für seinen Debütfilm 2:37, den er schrieb, produzierte, inszenierte und schnitt, hat sich Murali K. Thalluri ein großes Vorbild genommen. Böswillig Gestimmte könnten nun lediglich ein Plagiat sehen, aber schließlich war Thalluri gerade einmal 21 Jahre alt, als er seinen Film drehte und eigene Erfahrungen dabei verarbeitete. Dieser Umstand verleiht seinem Werk eine Authentizität und eine Dringlichkeit, die dessen epigonalen Charakter in den Hintergrund treten lassen. Außerdem hat natürlich Van Sant auch kein Patent auf gewisse Gestaltungsformen. Während zudem der Blick des um einiges älteren Gus Van Sant auf die jungen Helden seiner Filme meist von einem melancholischen Mitgefühl geprägt ist, kennt Thalluri keine Gnade mit den Gleichaltrigen.
2:37 ist ein profund unangenehmer Film. Die dargestellte Highschool ist eine Hölle, in der Vereinsamung und Verzweiflung herrschen, bevölkert von ahnungslosen Lehrern und wahlweise aggressiven oder resignierten Schülern, denen es in ihren jeweils ausweglosen Lagen immerhin noch gelingt, auch den Mitschülern das Leben schwer zu machen. Kaum eine dieser Figuren ist sympathisch, von Identifikation einmal ganz zu schweigen.
Gerade dieser schonungslose Zugriff aber macht letztlich die eigenständige Qualität des Films aus. Kein Heischen um Verständnis, keine Anbiederung, kein Versöhnungsangebot. Auch keine Verklärung der Jugendlichen zu tragisch unverstandenen Ausgestoßenen der Gesellschaft. Stattdessen einfach nur Vertreter der nächsten Generation, die nichts wissen von Vergebung und Zärtlichkeit. Unter dieser Maßgabe sind auch die beiden drastisch expliziten Sequenzen hinnehmbar, in denen 2:37 ins Sensationalistische abzurutschen droht. Was das kalt fixierende Auge der Kamera da zeigt, rüttelt den Sehenden möglichweise aus seinem Stupor.
