Kaum jemand zweifelt daran, dass 3-D auch auf dem Heimkino-Sektor groß einschlagen wird. Ein Gespräch mit Michael Greiner von Sony Austria über die aktuellsten Entwicklungen.
Was waren das noch für Zeiten, als man in der Videothek die Formate VHS oder Video2000 für seinen ausgeborgten Film auswählen musste. Doch grünstichige Videobilder und Mono-(Rausch)-Ton hält mittlerweile wohl niemand mehr für das Nonplusultra. Die analogen Videobänder wurden Mitte der Neunziger Jahre u.a. durch digitale VCDs (Video-CDs) und LDs (Laserdiscs) ergänzt. In ihrer Qualität nicht besonders berauschend und auch recht unhandlich und teuer (die Laserdisc hatte eine Durchmesser von 30 Zentimeter) konnten sich diese Medien, trotz digitaler Technik, nicht durchsetzen. Es gab zu viele unterschiedliche Formate und Medien, die Filmindustrie übte Druck auf die Hersteller aus, um einen einheitlichen Standard auf den Markt zu bringen. 1996 war es dann soweit: Die DVD (Digital Versatile Disc), wie wir sie heute kennen, wurde für den Massenmarkt zugänglich, und ist heute nicht mehr aus den Schränken der Filmbegeisterten wegzudenken.
2004 übernahmen dann zwei Buchstaben das Kommando in der Videowelt: HD. Ein paar Jahre zuvor noch auf Fachmessen zu finden, war High Definition plötzlich in aller Munde und wurde von der Industrie als das Format der Zukunft präsentiert. Wie so oft in zwei Lager gespalten, brachte die Industrie die beiden HD-Formate Blu-ray und HD-DVD auf den Markt, wobei letzteres sich nicht durchsetzen konnte: Anfang 2008 stellte man die Produktion weltweit ein. LCD- und Plasma-Screens, Blu-ray Player und Multimedia-PCs, die die hochauflösenden Bilder wiedergeben, sind heute bereits Standard. Spätestens seit James Camerons gigantischem Erfolg mit Avatar erfährt 3-D im Kino eine Renaissance. Die Industrie hofft, dieses Goldene Kalb auch für den Home-Entertainment-Bereich ausschlachten zu können und bastelt eifrig an den ersten 3-D-Screens für zu Hause. An passenden Inhalten fehlt es mittlerweile nicht mehr. Neben Filmen werden bereits TV-Sportereignisse von den Medienmultis Rubert Murdoch (BSkyB) und Dietrich Mateschitz (Servus TV), zumindest teilweise in 3-D übertragen.
„ray“ nahm sich dieser aktuellen technischen Entwicklung an und erkundigte sich bei einem führenden Hersteller über die dreidimensionale Zukunft des Heimkinos.
Herr Greiner, die Geschichte der 3-D-Technik reicht bis in die Vierziger Jahre zurück. Dennoch, so meint man, ist sie bis heute nicht mehr als eine bloße Kino-Attraktion. Sind Sie der Meinung, dass die moderne 3-D-Technik im Stande ist, die Wohnzimmer dieser Welt zu erobern?
3-D hat nicht den Anspruch, das zweidimensionale Fernsehen in naher Zukunft abzulösen. Die Fernsehanstalten müssen technisch auch erst auf diesen neuen außergewöhnlichen Standard aufrüsten.
Aber es steht doch außer Frage, dass sich 3-D für zu Hause, in naher Zukunft durchsetzen wird?
Ja, weil versucht wird, Fernsehen so realitätsnah wie möglich zu machen. 3-D ist der Realität natürlich näher als zweidimensionale Bilder. Das menschliche Auge ist darauf ausgerichtet, dreidimensionale Bilder zu verarbeiten. Der erste Schritt dazu war die Einführung von High-Definition-Fernsehen, der nun konsequenterweise in der Weiterentwicklung der 3-D-Technik fortgesetzt wird
Wann werden die ersten 3-D-Produkte für zuhause auf den Markt kommen?
Seitens Sony werden die ersten Fernseher im Juni/Juli diesen Jahres ausgeliefert. Alle künftig ausgelieferten Blu-ray-Player und Blu-ray-Heimkinoanlagen von Sony sind 3-D-fähig oder können mittels eines Updates 3-D-fähig gemacht werden.
Mit welchen Kosten muss man für einen 3-D-Fernseher rechnen?
Der Preis variiert natürlich, abhängig von der Bildschirmdiagonale. Der Einstiegspreis in die 3-D-Welt beginnt bei voraussichtlich 2.099 Euro für ein 40-Zoll-Gerät.
Ist es möglich, mit einem herkömmlichen Flatscreen-Monitor 3-D-Filme zu schauen?
Nein, das ist leider nicht möglich. Fernseher, die 3-D-Inhalte wiedergeben können, müssen Hardware- und Software-seitig speziell ausgerüstet sein.
Ist ein 3-D-Fernseher für 2-D-Inhalte kompatibel?
Mit 3-D-Fernsehern können natürlich auch zweidimensionale Inhalte angesehen werden.
Müssen auch DVD- und Blu-ray-Player für 3-D umgerüstet werden, oder kann man mit herkömmlichen Geräten 3-D-Content abspielen?
DVDs sind für die Darstellung dreidimensionaler Bilder leider vollkommen ungeeignet. Hierfür ist Blu-ray das einzig verwendbare Medium, schon aufgrund der immensen Datengröße.
Ist es notwendig, Brillen für den 3-D-Effekt zu tragen?
Ja, es ist notwendig um die 3-D-Effekte in bester Qualität genießen zu können. Dazu muss man spezielle Shutter-Brillen tragen. Erst der Einsatz dieser Shutter-Brillen in Kombination mit 200Hz-Technologie, sowie Full-HD-Bilder, bringen dem Konsumenten ein ungetrübtes Filmerlebnis.
Um in 3-D fernsehen zu können, ist es notwendig, die Inhalte dafür bereitzustellen. Sind diese im Moment ausreichend vorhanden?
Alleine im heurigen Jahr werden über 100 Filme in 3-D produziert werden. Die Sony-eigenen Filmstudios (zu Beginn des Jahres lief etwa Cloudy With a Chance of Meatballs; Anm.) werden alleine etwa zehn Filme in 3-D dazu beitragen.
Ist für 3-D der Blu-ray-Markt wichtiger oder das herkömmliche Fernsehprogramm?
Wie schnell die Fernsehanstalten auf den 3-D-Zug aufspringen werden, können wir leider nicht beurteilen. Aber bereits die Fußball-WM 2010 wird auf dem amerikanischen Sender ESPN in 3-D ausgestrahlt werden. Weitere Sender werden mit Sicherheit in naher Zukunft folgen.
