Eine Handvoll Spartaner widersetzt sich tausend Trillionen Persern – nach einer Vorlage von Frank Miller.

„So brutal wie Apocalypto und doppelt so dumm“, schrieb die New York Times über diesen Film, und dabei könnte man es auch belassen.

Jedoch wirkt 300, die in Rede stehende stupend- stupide Verfilmung eines Frank-Miller-Comics, das die legendäre Schlacht an den Thermopylen im Jahr 480 v. Chr. nachzeichnet, bei der 300 Spartaner der gigantischen Armee des persischen Königs Xerxes gegenüberstanden, wie ein Magnet für Interpretationen aller Art. Zu schrecklich ist die Vorstellung, dass tatsächlich wahr sein könnte, was Zack Snyder, der sich das Werk hat zuschulden kommen lassen, auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Berlinale zu Protokoll gab. Er habe lediglich einen Comic verfilmt, lautete die arg naive Antwort auf die kritischen Fragen des ziemlich entgeisterten Fachpublikums nach der politischen Symbolik und den ideologischen Implikationen der Handlung.

Denn die sind nicht ohne. Während die Spartaner einem italienischen Sandalenfilm entsprungen zu sein scheinen und selbstverständlich nichts als Edelmut und Heldentum im Sinn haben, führt Xerxes in Gestalt einer schwarzen Drag Queen die (O-Ton) „asiatischen Horden“ an, deren Motiv die Versklavung der freien Welt ist. Es fällt schwer, 300 nicht im Kontext der gegenwärtigen weltpolitischen Lage zu sehen, doch gleichgültig, ob man in den um ihre „Freiheit“ kämpfenden Spartanern oder in Xerxes’ imperialistischer Großmachtbestrebung die Beglückungsmaßnahmen einer wohlbekannten Weltmacht erkennen will, es ändert sich nichts an der Schlichtheit der Perspektive.

Man könnte in 300 aber auch einen bösen Witz vermuten, der pathetische Reden von Ruhm, Ehre, Gerechtigkeit, Vernunft und Freiheit mit Mannbarkeitsriten, Körper- und Uniformfetischen, Blutströmen und Gewaltorgien kontras-tiert, um die Unvereinbarkeit von Machismo und Zivilisation deutlich zu machen. Dagegen schlägt der Kollege von Village Voice vor, 300 als kryptoschwules Schaufest zu rezipieren. Und in der Tat, verweisen nicht all die phallischen Geräte, die die halbnackten Spartaner in die knackigen Perser stecken wollen, nachdem sie sie in einen passend „Hot Gates“ genannten Engpass getrieben haben, auf eine ganz andere Art von Orgie?

Was noch zu denken gibt, ist die Tatsache, dass des Spartanerkönigs Weib auf den Namen Gorgo hört und sich mit folgenden Worten vernehmen lässt: „Only Spartan women give birth to real men.“ Sind also mal wieder die Frauen schuld. Ein Grund mehr, 300 saublöd zu finden.