Episodenfilm mit einem kontaktfreudigen Ensemble, aber ohne Flair und Charme

So kosmopolitisch 360 auf den ersten Blick daherkommen mag, hinter der fragmentarischen Rundreise von Bratislava über Wien, London, Berlin, Phoenix, Denver und Paris zurück nach Wien versteckt sich ein Episodenfilm der klassischen Art: Die Handlung ist in verschiedene Abschnitte aufgeteilt, bei der die einzelnen Sequenzen entweder durch Personen oder räumliche Überschneidungen mit dem vorherigen Segment verbunden sind. Ins Figurenspektrum reihen sich neben zwei strauchelnden Ehepaaren unter anderem ein muslimischer Zahnarzt, der mit seinem Glauben wie mit seinen unterdrückten Trieben hadert, ein brasilianischer Gigolo, dessen Freundin zuhause längst den Braten riecht, zwei slowakische Schwestern hungrig auf ein besseres Leben im Westen, ein vermeintlich geheilter Sexualstraftäter, der sich selbst nicht mehr über den Weg traut, und ein älterer Herr mit dem Ziel, seine vermisste Tochter zu finden, kurz: allesamt irgendwie, irgendwo, aber ohne Umschweife auf der Suche nach dem bisschen zwischenmenschlichen Kontakt, der die Welt im Innersten zusammenhält.

Dabei unterliegt 360 jeglichen Erwartungen, die man an einen Fernando Meirelles Film, zumal nach einer Vorlage von Peter Morgan, stellen möchte. Das mag zum einen daran liegen, dass es den Handlungssträngen, die zusammengenommen eine moderne Variation auf Arthur Schnitzlers „Reigen” ergeben sollen, zusehends an Einfallsreichtum und Substanz mangelt, auch wenn die Episoden visuell durchaus hübsch miteinander verwoben sind. Ganz zu schweigen von der dürftigen Überzeugungskraft einer hochkarätigen Schauspielerriege, darunter Jude Law, Rachel Weisz, Anthony Hopkins und Moritz Bleibtreu, denen es schwer fällt, in dem gegebenen Wirrwarr an Orten und Minidramen Profil zu entwickeln. Zum anderen aber hängt es mit den größeren Fragen nach Liebe, Treue und Leidenschaft, nach den neuen Abhängigkeiten und altbackenen Beziehungsproblemen in Zeiten der Globalisierung zusammen, die 360 angeblich zu erkunden beabsichtigt, die letztlich jedoch wie Kerosin in der Luft verpuffen, noch bevor sich mehr als nur der Ansatz einer originellen Antwort abzeichnen kann.

Es ist nach wie vor bewundernswert, mit welcher Gelassenheit und Vielfältigkeit Drehbuchautor Peter Morgan in den letzten Jahren auf Erfolgskurs um die Welt zieht, zwischen preisgekrönten Kinokassenschlagern (The Queen, Frost/Nixon) und Herzensanliegen (The Damned United). Aber 360, da kann man sich drehen und wenden wie man will, kommt nie wirklich in Schwung und hinterlässt am Ende bestenfalls einen seichten Stich in der Brust.