Jan Kounen hat Frédéric Beigbeders Erfolgsroman verfilmt und dessen Kritik an der Werbewelt stilgerecht als effektreiche Endlosschleife inszeniert.

Frédéric Beigbeder hat einen sechsten Sinn fürs Verkäufliche. Er wittert den Zeitgeist, macht ihn in kürzester Zeit zu Literatur, trifft damit den Nerv des Publikums und schafft es in die Bestsellerlisten. Seinem ersten Roman aus dem Jahr 1990 verdankte er seine Karriere in der Werbung, seinem vierten und bekanntesten Werk 39,90 (99 Francs) zehn Jahre später seinen Rausschmiss bei der Werbeagentur Young & Rubicam. Der Roman, der ihm in der Folge zu einer neuen Karriere als Autor, Verlagslektor und Kritiker in der Welt der Literatur verhalf, ist eine wortwitzige und kalkulierte Abrechnung mit der Werbewirtschaft, in der Beigbeders Alter Ego Octave Parango eine zynische und oberflächliche Branche mit ihren eigenen Waffen schlägt.

Als Kritiker des Werbewahnsinns hat er sich strategisch geschickt positioniert – er sprüht seine Verachtung über ein System aus, dessen Nutznießer und Produkt er selber ist und bedient sich seiner Mechanismen, um daran authentische Kritik zu formulieren. Das macht auf alle Fälle unangreifbar, denn jedes Mittel legitimiert sich als Stilmittel. Eine Konstellation, die auch Regisseur Jan Kounen bei der Verfilmung des Romans zugute kam. 39,90 in seiner Kinoversion ist eine randvoll beladene Satire in Form eines hundertminütigen Werbeclips, dem alle formalen Eskapaden, alle geschmacklichen Entgleisungen, alle Klischees und Entlehnungen bei bekannten Vorbildern erlaubt sind, handelt es sich doch um eine Parodie.

Octave Parango ist ein Golden Boy wie aus dem Bilderbuch – arrogant, selbstgefällig und gefühlskalt, unter seinen Kollegen bei der Agentur Ross & Witchcraft in bester Gesellschaft – sie verachten ihre Mitarbeiter, ihre Kunden und vor allem sich selbst. Sie sind allerdings selbst so käuflich wie die Waren, die sie tagein tagaus vermarkten. Führt sie ihr Hochgeschwindigkeitsleben irgendwann in eine Sackgasse, dann ist der Freitod der einzige Ausweg. Denn auch diese Entscheidung muss in ihrer Macht stehen. Eine Auseinandersetzung mit dem Gegenüber oder gar mit sich selbst gibt es nicht in der hohlen Hochglanzwelt.

Regisseur Jan Kounen hat weder in seinen Figuren noch in seiner Reflexion über die Werbewelt versucht, eine tiefere Spur als der Autor seiner Vorlage zu ziehen. Ton und Tempo des Romans hat Kounen somit getroffen und den effektheischenden Blick auf eine oberflächliche Welt lustvoll nachinszeniert.