50/50 – Freunde fürs (Über)leben

50/50

50/50 – Freunde fürs (Über)leben

| Roman Scheiber |

50/50, ein Feel-Okay-Movie über einen jungen Mann mit Krebsdiagnose

Krebs im Kino: Im Mainstream dient er zumeist dazu, eine Seuche namens Manipulatio emotionis grassieren zu lassen. Man knalle dem sympathischen Durchschnittshelden aus heiterem Himmel einen Prüfstein in Form eines bösartigen Tumors in die Biografie und lasse ihn diesen – nach mehreren tränentriefenden Tiefpunkten, begleitet von traniger Musik – schließlich aus dem Weg räumen.

Glücklicherweise bleibt 50/50 von dieser Seuche weitgehend verschont. Das Drehbuch stammt von Will Reiser, der selbst eine schwere Krebserkrankung überwunden hatte, und der von Jonathan Levine daraus gemachte Film begegnet dem durchaus erwartbaren Hindernis-Parcours des erkrankten Helden mit Witz und einer gewissen Leichtigkeit (führt etwa den Genuss von „medical“ Marihuana als Antidepressivum vor). Vor allem aber weiß 50/50 dadurch zu berühren, dass er einen nicht mit aufgeklebten Gefühlen erstickt.

Der süße und begabte Joseph Gordon-Levitt spielt den ordnungsneurotischen 27-jährigen Adam mit der titelgebenden fünfzigprozentigen Überlebens-Chance, Seth Rogen (der schon Adam Sandler in Funny People und im richtigen Leben dem Autor Will Reiser freundschaftlich beistand) den um Auflockerung bemühten Buddy und die herzige, wenngleich steifnackige Anna Kendrick seine gefühlte 19 Jahre junge Psychotherapeutin (wie schon in Up in the Air sub auspiciis promovierend). Dass diese beiden mehr als nur eine narrative Platzhalterfunktion erfüllen, kommt dem Film zugute, ebenso wie Philip Baker Hall und Anjelica Huston (als Adams hysterische Mutter) in Nebenrollen; deutlich zu flach gezeichnet hingegen ist die Figur der Freundin Adams (bitchy: Bryce Dallas Howard).

Die derzeit im ORF zu sehende TV-Serie The Big C, in der Laura Linney holprig mit einer Krebsdiagnose umgeht, entscheidet sich deutlicher als dieser Film für das Comedy-Element. 50/50 dagegen will Drama und Komödie zugleich sein, vor Charme sprühen und dabei in die Tiefe gehen. Das ergibt einen unterhaltsamen, durchaus nicht kalt lassenden, aber doch problemlos verdaulichen Film zu einem ernsten Thema, dessen Authentizität trotz der „realen“ Vorlage eine behauptete bleibt. Dass die 50/50-Chance zu überleben im Fall dieses Drehbuchs eine hundertprozentige ist, steht nie in Zweifel. Wer einen gänzlich ohne Affektverstärker und ohne Happy-End auskommenden Film über einen Krebspatienten sehen möchte, der wirklich zu berühren vermag, sollte sich Halt auf freier Strecke von Andreas Dresen anschauen.