70. Internationale Filmfestspiele von Venedig – Der Tag davor

| Thomas Abeltshauser |

Ab Mittwoch steht der Lido wieder im Zeichen des Weltkinos. Bis 7. September berichten Alexandra Zawia und Thomas Abeltshauser für „ray“ aus der Lagunenstadt. Zur Einstimmung ein Vorbericht.

Feste soll man feiern, wie sie fallen. Und am Ende ist das Alter eh eine reine Frage der Perspektive. Das Filmfest in Venedig, das am Mittwoch beginnt, feiert in diesem Jahr seine 70. Ausgabe. Dabei ist es gerade einmal ein Jahr her, dass man seinen 80. Geburtstag beging. 1932 wurde mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde die erste Mostra eröffnet, damals noch auf der Terrasse des ehrwürdigen Excelsior-Hotels. Auch mit der Zwangspause während der Kriegsjahre ist Venedig damit das älteste Festival der Welt, und Leiter Alberto Barbera kann in seinem zweiten Amtsjahr gleich das zweite runde Jubiläum zelebrieren.

Ein Geschenk hat sich die Biennale gleich selbst gemacht: eine Kompilation von 70 Kurzfilmen, inszeniert von 70 renommierten Venedig-Veteranen wie Bernardo Bertolucci, Walter Salles und Paul Schrader. Der Titel, Venezia 70 – Future Reloaded suggeriert einen zweckoptimistischen Blick in die Zukunft. Den kann sich das Festival auch erlauben, wenn die klangvollen Namen im Programm ein Indikator für das erstarkte Profil sind. Im Wettbewerb finden sich Altmeister wie Stephen Frears, Terry Gilliam und Hayao Miyazaki, der japanische Anime-Zauberer (allesamt 72 Jahre alt) ebenso wie die Wunderkinder Xavier Dolan, der mit 23 Jahren bereits seinen vierten Film präsentiert, und der 35-jährige James Franco, der nach der Berlinale und Cannes nun in Venedig mit Child of God seinen A-Festival-Hattrick als Regisseur hinlegt. Und auch an Stars wird es auf dem Lido nicht mangeln, ob George Clooney und Sandra Bullock, die am Mittwoch zum Eröffnungsfilm Gravity über den Roten Teppich laufen werden, Scarlett Johansson (in Jonathan Glazers Under the Skin) oder Judi Dench (in Frears’ Philomena). Wie schon in den Jahren zuvor sollten sie dabei nicht allzu weit nach links oder rechts schauen: Das Festivalgelände bleibt auch 2013 eine nur mühsam verhüllte Dauerbaustelle, der Neubau ruht asbest- und krisenbedingt weiterhin.

Stark zurückgefahren wurde der Anteil asiatischer Filme, die bei Barberas Vorgänger Marco Müller jahrelang ein starker Schwerpunkt des Festivals waren. Im Wettbewerb findet sich neben Miyazaki nur der chinesisch-malaysische Regisseur Tsai Ming-liang (Jiaoyou). Der Südkoreaner Kim Ki-duk, im letzten Jahr Gewinner des Goldenen Löwen für Pieta, präsentiert jetzt mit Moebius einen drastischen Familienhorror über Kastrationen und offene Wunden, allerdings außer Konkurrenz.

Der einzige Österreicher im Wettbewerb ist in diesem Jahr Christoph Waltz. Er wird als Hauptdarsteller in Gilliams The Zero Theorem zu beweisen haben, ob er auch ohne Tarantino einen Hollywoodfilm tragen kann.