Wenig romantische und halblustige Komödie über ein schräges Paar
Wenn sich Figuren in einem Film selbst als kauzig bezeichnen, ist zumindest Vorsicht geboten. Dabei klingt die Geschichte des Debütfilms von Markus Sehr recht charmant: Udo ist für andere unsichtbar, außer er berührt jemanden, sonst wird er einfach nicht wahrgenommen. Da bietet sich der Beruf des Kaufhausdetektivs natürlich an, praktischerweise wohnt er auch gleich in einem Zelt in der Sportabteilung des Shoppingtempels. Seine einzig liebenswerte – eigentlich seine einzige Eigenschaft überhaupt – ist, dass er arme Ladendiebe laufen lässt, und nur begüterte Kleptomanen zur Rechenschaft zieht. Das reicht aber nicht aus, um sich in ihn zu verlieben. Genau das passiert aber erstaunlicherweise einer Frau, die sich unmöglich entscheiden kann, was sie in einem Lokal essen soll oder welche Bestattungsart für ihren unlängst verstorbenen Vater die richtige ist, obwohl sie beruflich nichts anderes macht als auswählen – etwa die Uniformen der Kellner einer Hotelkette, für die sie arbeitet. Dass Udo sich von ihr angezogen fühlt, liegt nahe, ist sie doch praktischerweise die einzige, die seine Anwesenheit überhaupt bemerkt. Die Nebenfiguren wie eine transsexuelle Parfümverkäuferin und ein kleinwüchsiger finnischer Wachebeamter sind zwar schrullig, tragen aber nichts dazu bei, die Geschichte irgendwie voranzutreiben.
Der weitere Handlungsverlauf wirkt wie mit einem Baukasten-
system für romantische Komödien zusammengesetzt, was kein Problem wäre, könnte man den Figuren glauben, dass sie sich ineinander verliebt haben. Aber die Chemie zwischen den Schauspielern auf der Leinwand legt nahe, dass sie sich während der Dreharbeiten gehasst haben, schon vor den kleinsten Kussszene schneidet der Regisseur weg, obwohl die Geigen schmalzig im Hintergrund schluchzen.
Trotz der interessanten Grundidee und einigen amüsanten und auch atmosphärisch dichten Szenen im Kaufhaus funktioniert der Film auf Dauer nicht, weil weder die Charaktere wirklich unter ihrer „Kauzigkeit“ leiden noch der Zuschauer mit ihnen. Wenn man gerne liebeskranke Außenseiter im Kino sieht, dann ist man bei Die anonymen Romantiker besser aufgehoben, da hat der Regisseur die Regeln des Genres verinnerlicht: Die Schauspieler müssen zusammenpassen, die Charaktere müssen unter der Last ihrer zu überwindenden Charaktereigenschaften, die ihnen das Glück verwehren, beinahe zusammenbrechen. Bei Udo hat man ständig das Gefühl, dass es ihm auf seiner Insel eigentlich besser geht als unter Menschen.
