Die Abenteuer eines Drogen-Pushers und Lebemannes, based on a true Story
Zu sagen, dass der heute 66-jährige Howard Marks ein Drogenschmuggler war, ist eine Untertreibung: Der in Oxford mit Ehren absolvierte Philosoph und Physiker mit Lehrer-Ambitionen geriet im London der frühen Siebziger auf die schiefe Bahn, die er so schnell nicht mehr verlassen sollte: „43 Decknamen, 89 Telefonanschlüsse, 25 Firmen“, wie er selbst auf seiner Website verkündet, lassen erahnen, zu welcher Karriere sich das ehemals biedere Landei aus Wales aufschwang. Alles begann „ganz harmlos“ mit einer „nur mal eben so“ aus Deutschland geholten Lieferung, die er mit dem Auto nach London schaffte; dann ging es Schlag auf Schlag. Er reiste nach Afghanistan und Pakistan, und bald wurden die Dope-Ladungen, die Marks in die Heimat schaffte, immer größer und die Methoden immer wahnwitziger. Doch Howard war unerschrocken und smart, und er baute ein formidables Netzwerk auf, dem unter anderem Mitglieder der IRA, der Mafia und des MI6 angehörten.
Viele Tausend Tonnen Hasch und viele Millionen Dollar später wurde er 1988 in Spanien verhaftet, verbüßte sieben Jahre (von 25 aufgebrummten) im US-Hochsicherheitsgefängnis Terre Haute und kam 1995 auf Bewährung frei. So steht es in seiner 1996 erschienenen Autobiografie, und so kommt es auch im Film vor. Bernard Rose, nach einer Reihe von MTV-Videos 1988 mit Paperhouse als eine Art Wunderkind des britischen Films gestartet, lieferte 1992 mit Candyman ein schönes Hollywood-Debüt und 1994 die unsägliche Beethoven-Schmonzette Immortal Beloved ab und verschwand dann eher in der Versenkung.
Mit Mr. Nice ist er nun wieder da, und bemerkenswerterweise führt er auch die Kamera selbst. Was man von Mr. Nice nicht erwarten sollte, sind moralische Einwände.
Der Film überlässt sich – und das ist gut so – hemmungslos seiner Faszination für den unendlich charismatischen Verbrecher, der Marks ja nun einmal war – einer Figur, die wie für das Kino erfunden scheint bzw. deren Biografie die kühnsten Phantasien eines Drehbuchautors noch übertrifft. Rhys Ifans spielt ihn großartig, wenngleich er für die „Anfangsjahre“ zu alt ist. Die Rolle bereitet ihm offenkundig großen Genuss, und er wird von einer Reihe exzellenter Nebendarsteller (etwa David Thewlis als durchgeknallter IRA-Buddy) unterstützt. Zeitkolorit, Musik, Sprechweise, enge Hosen, Wählscheibentelefone, es ist alles da, was man sich von den siebziger Jahren erwartet, vor allem aber der Spirit des „Alles ist machbar“, ohne den ein solches Unterfangen wohl nicht möglich gewesen wäre. Unbedingt zu meiden ist allerdings die deutsche „Hey-Mann-was-geht’n-so-ab?“-Fassung.
