David Schalko inszeniert einen fröhlichen Film über das Scheitern.
Charlie Kolostrum (Axel Ranisch) ist ein „Sitzer“. So steht es in seinen Lebenshilfebüchern – und die haben, so verstehen wir schnell, in diesem Fall Recht. Der Protagonist lebt sein Leben nicht aktiv – es passiert einfach. Motivationslos, tollpatschig und träge, um nicht zu sagen apathisch schwimmt er mit dem Strom, zeigt kaum bis nie Eigeninitiative und scheint weder sein Leben und das damit verbundene Älterwerden, noch sein stetig anwachsendes Körpergewicht im Griff zu haben. Auf Anraten eines Studienberaters inskribiert er nach der Matura Kunstgeschichte („Da sind die schönsten Frauen!“) und lässt sich fortan vom studentischen Leben der achtziger und neunziger Jahre treiben. Dass er in diesem Lebensstil stecken bleibt, während seine Kollegen und Freunde erwachsen werden, registriert er zwar; um jedoch selbst ein wenig Gas zu geben, fehlt es ihm an nötigem Elan. So schleppt er sich weiter dahin und flüchtet sich in Tagträume, in denen er mutig, stark und selbstbewusst als Bud Spencer oder Indiana Jones auftritt, oder als berühmter Sänger auf der Bühne steht – bis sich durch die unglaublichsten Zufälle plötzlich eine großartige Möglichkeit auftut und ein Traum wahr wird.
David Schalko gelingt mit Wie man leben soll eine sehr ansprechende Umsetzung des gleichnamigen Romans von Thomas Glavinic. Es ist eine für einen Kinofilm ungewohnte, oft an Schalkos erfolgreiche Fernsehformate erinnernde Erzählstrategie, die mit filmischen Verfremdungsmitteln arbeitet und auf eine assoziative Narration setzt. Dieses Konzept geht auf, denn der Geschichte wird dadurch der nötige Pepp verliehen, den es benötigt, um trotz der lethargischen Grundstimmung keine Langeweile aufkommen zu lassen. Dazu tragen auch die ungeahnten, grotesken Wendungen bei, an denen es nicht mangelt.
Wie man leben soll ist eine Reise im doppelten Sinne, denn die Lebensreise des Protagonisten ist gleichzeitig auch eine Reise durch die Zeit. Es ist sowohl die Geschichte eines Menschen, der Schwierigkeiten mit dem Älterwerden hat, als auch ein Porträt der österreichischen Zeitgeschichte und des Studentendaseins in den Achtzigern und Neunzigern. Die Charakteristika jener Jahre werden hervorgehoben und gekonnt überzeichnet, sodass sich jene, die alt genug sind, mit einem Schmunzeln zurückerinnern, und die jüngeren sich wünschen, dabei gewesen zu sein. David Schalko ist ein sehr authentischer Film gelungen, der mit surrealen Mitteln eine durchaus realistische Geschichte erzählt.
