Filmkritik

Philomena

| Daniela Sannwald |
Frömmigkeit hilft allemal weiter – außer bei bösen Nonnen.

Superattraktiv sind die Helden dieses Films nicht: eine kleine, störrische alte Dame und ein – natürlich – zynischer Ex-Journalist namens Martin Sixsmith, und ihre Motive, gerade jetzt miteinander das zu tun, was sie nun einmal tun, ebenso wenig. Judi Dench, angetan mit biederer Kurzhaarfrisur, Schultertasche und vernünftigen Schuhen, spielt eine irische Krankenschwester im Ruhestand, die vor 50 Jahren ein Kind zur Welt gebracht und später zur Adoption freigegeben hat. Und Steve Coogan verkörpert einen als Spin-Doctor gescheiterten Journalisten, überheblich, schnöselig, vom Alter bereits leicht ramponiert, der ihr bei der Suche nach dem verlorenen Sohn helfen will – natürlich, um die Geschichte zu publizieren.

Bei der Kombination ist ein Handlungsstrang von vornherein klar: Die Annäherung der beiden, ach so verschiedenen, Protagonisten – und könnte nicht der schnoddrige Martin selbst beinahe Philomenas Sohn sein? Der Zyniker und die Sentimentale gehen einander zunächst gehörig auf die Nerven, aber nur, um bald schon zu entdecken, dass sie sich gar nicht unsympathisch sind. Martin, der eigentlich gar keine Human Interest-Story schreiben will, das sei was für „weak-minded, vulnerable, ignorant people“, wird in Stephen Frears’ Film selbst zum Helden des geschmähten Genres. Zwar hat Frears den Roman des wahren Martin Sixsmith adaptiert, und der wiederum hat die skandalösen Umstände, die Philomena Lee um ihr 1952 geborenes Kind brachten, sorgfältig recherchiert, aber der Regisseur interessiert sich nun mal fürs Menschliche.

Dass die schwangere Teenage-Mom Philomena von den Eltern
ins Kloster abgeschoben wurde, wie das offenbar in den 1950ern im tief katholischen Irland nahelag, wo sie das Kind gebar und für dessen und den eigenen Unterhalt arbeiten musste, wird in Rückblenden erzählt. Auch, dass die dort internierten Mädchen gezwungen wurden, ihre Kinder adoptieren zu lassen. Im Verlauf der Suche nach Philomenas Sohn, also in der Gegenwart der 1990er Jahre, kommt dann immerhin heraus, dass die Nonnen einen schwunghaften Handel mit den Kindern trieben, die sie vorzugsweise an unfruchtbare US-amerikanische Paare verkauften. Grüne, verregnete irische Landschaftstotalen wechseln ab mit Rückblenden im kalten, harten Winterlicht des Klosters; Philomena betet in gemütlichen Hotelzimmern, während Martin auf seinem Notebook recherchiert. Trotz aller Erkenntnis verliert Philomena nicht den Glauben, den ihr offenbar die bösen Schwestern eingepflanzt haben. Schließlich wird sie ihnen vergeben. Und das ist die eigentliche Botschaft des Films.