Der Filmkontinent Australien im Österreichischen Filmmuseum
Die große Frühjahrs-Retro des Filmmuseums widmet sich von 4. April bis 4. Juni dem Kino Australiens und im Besonderen der Spielfilmproduktion. Wenngleich einzelne australische Spielfilme tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind – etwa Crocodile Dundee, Muriel’s Wedding, Babe, The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert oder die Mad-Max-Tetralogie – auf der Karte des Weltkinos ist Australien eher Terra Incognita denn erschlossenes Land. Die Retrospektive mit mehr als 50 Spielfilmen, trägt diesem Umstand Rechnung. Die Mehrzahl der Filme stammt aus den siebziger und achtziger Jahren, als down under ein Filmförderungsgesetz verabschiedet wurde und eine Flut von Kinoproduktionen entstand. Natürlich sind die „großen Namen“ der Zeit alle mit Schlüsselwerken vertreten: Peter Weir, Phillip Noyce, George Miller, Bruce Beresford, Gillian Armstrong und Jane Campion. Zu entdecken sind aber auch Tim Burstall, Fred Schepisi, Paul Cox sowie Genre-Verweigerer und Anarchisten wie Albie Thoms und Philippe Mora.
Die Auswahl demonstriert, wie fließend in Australien die Grenzen zwischen Autorenfilm und Kommerzware sind: Manche Filme von Vorzeige-Regisseuren wie Peter Weir (darunter sein Meisterwerk The Plumber) oder Bruce Beresford werden der „Ozploitation“ zugerechnet. Grenzfälle wie Tom Cowans wildes, feministisches Historienstück Journey of Women wurden mit Erfolg als Exploitationfilme vermarktet. Ebenfalls zu sehen sind Produktionen, die traditionelle Genre-Formeln mit einer spezifisch australischen Sensibilität versahen: Western (Mad Dog Morgan), Martial Arts (The Man from Hong Kong), Biker-Movies (Stone) oder Horror (von Patrick bis Howling III). Und natürlich George Millers Mad-Max-Serie, die so viele ganz und gar australische Momente und Motive zusammenführt. Ist damit das australische Kino in all seinen Facetten erschöpfend gewürdigt? Mitnichten. Es gibt noch viel zu entdecken. Die „zweite neue Welle“ des Aborigines-Autorenfilms etwa, die mit Schlüsselwerken wie Tracey Moffats beDevil oder dem Omnibus-Film Sand to Celluloid bloß angerissen werden kann; die reiche und enorm vielfältige Tradition des Dokumentarfilms, des Essayfilms und des ethnografischen Kinos werden in der nahen Zukunft folgen.
