Filmkritik

Wenn du König wärst

| Oliver Stangl |
Die jungen Rittersleut

Die Artus-Sage hatte im Kino bislang ein vielfältiges Leben: So kam der Stoff unter anderem als klassischer Kostümfilm daher (Knights of the Round Table, Richard Thorpe, 1953), als reduzierte Meditation über das Scheitern (Lancelot du Lac,
Robert Bresson, 1974), als Groteske (Monty Python and the Holy Grail, Terry Gilliam & Terry Jones, 1975), wagnerianisches Fantasy-Epos (Excalibur, John Boorman, 1981) und Romanze (First Knight, Jerry Zucker, 1995). In jüngerer Zeit versuchte man den Mythos als Pseudo-Historienfilm (King Arthur, Antoine Fuqua, 2004) oder als modernes Actionspektakel (King Arthur: Legend of the Sword, Guy Ritchie, 2017) aufzubereiten.

Nun steht mit Joe Cornishs The Kid Who Would Be King eine Version an, die sich explizit an jugendliches Publikum richtet: Hauptfigur ist der junge Brite Alexander, der bei seiner Mutter lebt und in der Schule ein Außenseiterdasein fristet – sein einziger Freund ist Bedders, ebenfalls kein soziales Genie. Gemeinsam versuchen sie sich gegen das Mobbing des selbstsüchtigen Duos Lance und Kay zu wehren, doch als wieder einmal Prügel anstehen, bleibt Alex nur die Flucht. Als er auf einer verlassenen Baustelle ein Schwert aus einem Felsblock ziehen kann, fühlt er sich zum Artus-Nachfolger berufen, was ihm vom via Stonehenge auftauchenden Magier Merlin, der mal als junger Mann, Greis oder Eule auftritt, bestätigt wird. Außerdem offenbart er Alex, dass die böse Zauberin Morgana die kommende Sonnenfinsternis dazu nutzen möchte, die Macht im Land an sich zu reißen. Alex muss nun seine Mitschüler überzeugen, ihn auf einer Aventüre zu begleiten, die das Schicksal der Menschheit entscheiden und ihn gleichzeitig zu sich selbst führen soll. Die Teenie-Ritter der Tafelrunde ziehen gegen eine Armee apokalyptischer Reiter ins Gefecht …

Cornishs Film ist in vielerlei Hinsicht altmodisch, was durchaus zum Thema der ritterlichen Tugenden passt: Er will Kinder dazu inspirieren, nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere zu kämpfen. Morgana ist in dieser Version zwar eine eher blasse Gegenspielerin und mit zwei Stunden ist der Film vielleicht eine Spur zu lang, doch wird dies durch die Merlin-Darsteller Angus Imrie und Patrick Stewart wettgemacht, die sichtlich Spaß an der Rolle haben. Dazu kommen Anspielungen auf Franchises mit vaterlosen Fantasy-Figuren wie Harry Potter oder Star Wars. Für die Älteren gibt es Reverenzen an frühere Artus-Filme, besonders Excalibur (in dem Stewart ebenfalls mitwirkte). Das Thema Brexit wird zwar nicht explizit erwähnt, die Assoziation stellt sich aber bei Begriffen wie „Spaltung“ und „Führerlosigkeit“ von selbst ein. Alles durchaus familientauglich also.