Men in Black: International

Filmkritik

Men in Black: International

| Manuel Simbürger |
Der Spin-Off der erfolgreichen Agenten-Alien-Parodie lässt in Sachen Innovationen zu wünschen übrig und verlässt sich zu sehr auf das alte Erfolgsrezept. Seitdem hat sich aber viel getan. Politik zum Beispiel.

Sofern Sie nicht geblitzdingst wurden, erinnern Sie sich sicher: Die Men in Black sind eine streng geheime, US-amerikanische Regierungsbehörde, die immer dann zur Stelle ist, wenn Aliens sich entweder nicht gut benehmen oder gar illegal auf dem Planeten Erde verweilen, sprich: ohne Zulassungsbescheinigung und so. Aliens nämlich, die leben bestens – und durchaus originell – getarnt unter uns (Stichwort: Michael Jackson!), und abgesehen von schrulligen Eigenarten sind die meisten von ihnen auch ganz brav. Damit wir ahnungslosen Erdenbürger auch wirklich ahnungslos bleiben, werden wir von den Männern in den schwarzen Anzügen ganz einfach geblitzdingst, also mit einer alternativen Erinnerung versehen (oder gar keiner), sollten wir doch mal Zeuge von außerirdischen Vorfällen werden. – Das alles gemixt mit scharfzüngigen popkulturellen Anspielungen, einzigartigen Alien-Looks, saucoolen Agenten, bei denen natürlich auch nach dem irrsten Alien-Fight nicht eine Anzugfalte falsch sitzt, spritzigen Dialogen, spielfreudigen Schauspielern und natürlich jeder Menge krachender Action, irgendwo zwischen End-of-the-World-Spektakel und modernstem SciFi-Streifen: Die Men in Black-Reihe (insgesamt sind zwischen 1997 und 2013 drei Teile erschienen) mit Will Smith und Tommy Lee Jones gehört bis heute zu den außergewöhnlichsten, weil originellsten SciFi-Action-Komödien, die bestens funktionieren, weil sie sie nicht nur eine Parodie des Agenten-Genres und des (besonders in den Neunzigern Blüten tragenden) Außerirdischen-Hypes, sondern nicht zuletzt von sich selbst sind.

Im Grunde bleibt man bei Men in Black: International, der sich nicht als Fortsetzung, sondern als Spin-Off verstanden wissen will, diesem Konzept treu. Diesmal ist’s eine Frau (Tessa Thompson), die, weil als Kind unbemerkte Zeugin eines MIB-Vorfalls, als neue Agentin die Männergruppe aufmischt und sich schon bald (und viel zu schnell) als Wunderkind im schwarzen Anzug entpuppt. Der Counterpart zur rationalen Agent M ist der leidenschaftliche, aber arrogante Star-Agent H (Chris Hemsworth), der im Sekundentakt genauso lässige Sprüche wie Will Smith anno dazumal vom Stapel lassen darf/soll, daran aber kläglich scheitert. Überhaupt hapert’s, im krassen Gegensatz zu Smith und Jones, bei der Chemie zwischen den beiden neuen Hauptdarstellern gewaltig: Beide machen für sich ihre Sache zwar durchaus zufriedenstellend (man merkt besonders Hemsworth an, wie sehr er das Nonsens-Tohuwabohu um sich herum genießt), in den gemeinsamen Szenen sucht man aber fliegende Funken vergebens. Die Story passt auf einen ein bisschen größeren Bierdeckel, dafür gibt’s wieder jede Menge Action, futuristische Technik und lustige Alien-Konsorten. Nur, dass man das alles schon besser gesehen hat – und nicht nur in der eigenen Filmreihe. Men in Black: International bietet nichts Neues, im Gegenteil scheint sich der Streifen viel zu sehr darauf zu verlassen, dass das Rezept der Vorgänger auch Jahre später noch bestens schmeckt. Tut’s leider nicht, denn die Zeiten haben sich geändert: Lustige Aliens kennen wir bereits zur Genüge und ringen uns nur noch ein schwaches Lächeln ab – und die Idee der Alien-Migration mutet in Zeiten von, sagen wir mal, problematischer Einwanderungspolitik eher tragisch als schenkelklopferisch an (die zum Beispiel als humorvoll angedachte Szene, in der ein Alien von den MIB abgeführt wird und dabei beteuert, doch nur seine Familie besuchen zu wollen, lässt im Zuschauer mehr als unbehagliche Gefühle hochkommen).

Fazit: Für ein kurzweiliges Abkühlen im klimatisierten Kinosaal reicht’s durchaus. Für alle, die sich eine Weiterentwicklung der MIB-Reihe inklusive neuartigen Ideen gewünscht haben: Bitte ganz schnell blitzdingsen!