Hot Air

Filmkritik

Hot Air

| Roman Scheiber |
Heiße Luft, laue Story, schablonenhafter Film

Von Anfang an hat man das Gefühl, dass etwas nicht stimmt mit diesem Film. Die Hauptfigur, der Radio-Talkshow-Host Lionel Macomb (Steve Coogan), ist ein rechter Verbalradikalinski vor dem Herrn und streitet öffentlich mit seinem früheren Protegé (Skylar Astin), wirkt jedoch privat einen Tick zu gelassen für seine Schimpftiraden im Sendungsmodus. Lionels Nichte Tess (Taylor Russell), ein smart-sympathischer Teenager, erscheint gleich zu Beginn frappant hartnäckig, bedenkt man den Antivorbild-Einfluss ihrer später auftauchenden, labilen Lebefrau von Mutter (Tina Benko). Von ebenjener Laurie ist Tochter Tess zu Onkel Lionel geflüchtet – damit er Verantwortung übernimmt, sie selbst neue Erfahrungen machen und berufliche Gehversuche starten kann und nicht zuletzt, damit Laurie in der Reha-Klinik Kraft tanken kann.

Die allzu vorhersehbare Dramödie entspinnt sich nun in uninspiriert von Drehbuch-Debütant Will Reichel geschriebener, lustlos von Adam-Sandler-Buddy Frank Coraci inszenierter, großteils medioker gespielter und konventionell montierter Weise, indes Lionels PR-Managerin / Lebensabschnittsparterin Valerie (Neve Campbell) in aufopfernder Zuwendung zu allen Beteiligten ihrem so unaufhaltsamen wie dann eben auch überraschungslosen Ausstieg aus der einseitigen Beziehung entgegenstöckelt.

Wo die Geschichte spielt, scheint egal. Was mit den Figuren passiert, irgendwie auch. Nur eines scheint wichtig: Rechtskonservatives Radio ist ein aktuelles Phänomen, offenbar allerorten in den USA. So sehr bemüht sich Hot Air, einen pointierten Kommentar zur politisch-gesellschaftlich-medialen Lage Amerikas abzusondern, dass seine auf emotionales Drama angelegten Handlungsvektoren im Leeren verlaufen. Das meiste hier fühlt sich konstruiert, aufgesetzt, drübergestülpt an.

Und was will der Film uns eigentlich sagen? Ein Faktenverdreher bleibt ein Faktenverdreher, ein Lügner bleibt ein Lügner, ein Zyniker bleibt ein Zyniker, ein Publikumsbeschimpfer bleibt ein Publikumsbeschimpfer, Trump bleibt Trump? Mitnichten. Natürlich sollen die Hörerinnen und Kinogänger via Lionels Live-Schlussmonolog erfahren, dass auch im Fall der bockigsten Arschlöcher Hoffnung besteht. Schön wär‘s, doch hier siegt die Macht der Worte leider nur über die Macht des Kinos. Wir empfehlen alternativ wahrhaftige Radiomoderatorenfilme, zum Beispiel Good Night, and Good Luck. von und mit George Clooney und mit dem grandiosen David Strathairn als Radio- und späterer TV-Host Edward R. Murrow.