Das 15. Zürich Filmfest mit hochkarätigem Programm und Star-Auflauf
„Ein Fest fürs Kino. Ein Fest für alle“ lautete das Motto des 15. Zürich Filmfestival, das vom 26.September bis 6. Oktober stattfand. Mit einem satten Budget von umgerechnet über acht Millionen Euro können die Schweizer traditionell große Sprünge machen und hochkarätige VIPs in die Luxus-Metropole locken. In diesem Jahr kamen u.a. Oscar-Preisträger Oliver Stone, Cate Blanchett, Donald Sutherland, Kristen Stewart (die mit ihrem neuen Film Seberg vertreten war) und Roland Emmerich. Die Stars laufen nicht nur über den in Zürich traditionell grünen Teppich, sondern sie laden in Talk-Runden zudem zum Plaudern mit dem Publikum ein. Als Lockvogel für die Zelebritäten dient jeweils die Verleihung des „Goldenen Auges“. Der sogenannte Tribute Award ging dieses Jahr an den schwäbischen Katastrophen-Filmer Roland Emmerich. Ihm war zudem eine umfangreiche Retrospektive mit zehn seiner Filme gewidmet. Im Unterschied zu Berlin, Venedig oder Cannes stehen die Filme dem ganz normalen Filmfan offen. Kurze Wege und gute Stimmung machen Zürich zu einem lukrativen Event für Cineasten. Für das Direktoren-Duo Nadja Schildknecht und Karl Spoerri war es die Abschiedsvorstellung, ihnen folgt ab Januar der Filmjournalist Christian Jungen als Festivalleiter.
Im Wettbewerb „Internationaler Spielfilm“ konkurrierten 14 Filme, allesamt erste, zweite oder dritte Regiearbeiten, um das „Goldene Auge“, das mit 25.000 Schweizer Franken üppig dotiert ist. Die Jury unter Oliver Stone entschied sich für Sound of Metal von Darius Marder. Das US-Drama erzählt das Schicksal eines Schlagzeugers, der sein Gehör verliert. Im zweiten Wettbewerb Fokus, für Filme aus der Schweiz, Deutschland und Österreich setzte der Berlinale-Gewinner und deutsche Oscar-Kandidat Systemsprenger von Nora Fingscheidt seinen Triumphzug fort. Last not least wurde die österreichische Tragikomödie Waren einmal Revoluzzer von Johanna Moder mit dem ökumenischen Filmpreis der Zürcher Kirchen ausgezeichnet.
Die Gala Premieren auf dem grünen Teppich bieten traditionell die Highlights aus Venedig, Toronto und Telluride. Darunter Joker von Todd Philipps, Judy von Rupert Goold, Le Mans 66 von James Mangold und Marriage Story von Noah Baumbach. Weitere Hochkaräter waren Pavarotti von Ron Howard, My Zoe von Julie Delpy, der Netflix-Film The Laundromat von Steven Soderbergh sowie The Lighthouse von Robert Eggers. Aus Deutschland standen Lara von Jan-Ole Gerster, Deutschstunde von Christian Schwochow und 1986 von Lothar Herzog auf dem Programm. Ein gelungenes Filmfest in der Schweizer Metropole, allein die Eröffnung mit dem eidgenössischen Öko-Opus Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes von Nikolaus Hilber geriet zur Enttäuschung. „Bruno hat uns eine Stimme gegeben und uns geholfen zu verstehen, wer wir sind“, lobt da der Penan-Häuptling im Regenwald den Schweizer Aussteiger. Der weiße Retter, der den Indigenen hilft, ihre eigene Kultur zu verstehen, erscheint anno 2019 denkbar fragwürdig. Auf solchen Ethno-Kitsch dürfte der kommende Festival-Direktor Christian Jungen getrost verzichten.
