Ein beeindruckender Belgischer Dokumentarfilm lässt Kinder aus Krisenregionen, die auf einen positiven Asylbescheid warten, zu Wort kommen.
In einem Flüchtlingszentrum in der belgischen Provinz begegnen wir Yalda, Mallak, Hassan, Mohamed, Fatima, Güzal, Zahra, Maryam, Aïsha, Ali und Lisa. Sie kommen aus Afghanistan, dem Irak, Syrien oder Eritrea und sind mit ihren Familien vor Krieg, Verfolgung und extremer Armut nach Europa geflohen.
Der belgische Regisseur Idriss Gabel (Interview) hat sie ein Jahr lang begleitet, während sie auf ihre Anerkennung als Flüchtlinge warten − darauf, dass sie „ein Positiv bekommen“, wie die Kinder es nennen, also in Belgien bleiben und ein neues Leben beginnen dürfen. Gabel hat einen Dokumentarfilm gedreht, der organisch aus einer gleichberechtigten und vertrauensvollen Beziehung mit den Kindern heraus entsteht. Er begegnet ihnen auf Augenhöhe und überlässt ihnen das Kommando. Die erste und praktisch einzige Frage, die der Regisseur den Kindern stellte, war: „Worüber möchtest du reden?“ Die Kinder konnten selbst entscheiden, was sie erzählen und wie sie sich selbst in Szene setzen wollen. Ihre Motivation ist der Wunsch, anderen etwas begreiflich zu machen, das für sie selbst noch immer unfassbar erscheint. Und so hören wir in einfachen Worten immer wieder von Bedrohungen und Übergriffen, vom Aufbruch mitten in der Nacht, von gefährlichen Passagen, Tränen und Verlust, von einer Beklommenheit, die sie niemals loslässt und von ihren Wünschen für die Zukunft.
Die Kinder scheinen die Kamera, an die sie sich im Vorfeld in spielerischen Workshops gewöhnen konnten, nicht mehr zu bemerken. Sie folgt ihnen durch die Gänge und Innenhöfe des Zentrums, in die Familienzimmer und Aufenthalts- und Klassenräume, auf die Spielplätze und in die idyllische ländliche Umgebung, sie fügt sich in ihr Leben ein und wird manchmal sogar zur Vertrauten.
Durch Zeichnungen, die die Kinder malen und beschreiben, bekommen wir weitere Einblicke in ihr früheres Leben und in die Stationen ihrer Flucht. Und dann verstehen wir auch den Titel dieses berührenden Dokumentarfilms − wie es sein kann, dass jemand das Meer nicht mehr mag, das doch für viele von uns der Inbegriff von Freude und Unbeschwertheit ist.
