Türkische Filmtage – Wild Pear Tree

Veranstaltung | 2. bis 8. Dezember

Cannes-Gewinner zu Gast und mehr

| Daniela Sannwald |
Türkische Filmtage in der Wiener Urania

Filme aus den letzten drei Jahren sind während der Türkischen Filmtage vom 2. bis 8. Dezember in der Wiener Urania zu sehen – und mit Vesikalı yarim (1968) ein veritabler Klassiker des Yeşilçam Kinos, wie man die Produktionen aus den sechziger und siebziger Jahren nannte. Damals florierte das türkische Kino, produziert wurde in der gleichnamigen Istanbuler Straße, und die großen Diven wie in diesem Film Türkan Şoray litten und liebten aufs Melodramatischste.

Eine weitere Attraktion der Veranstaltung ist die Masterclass mit dem u.a. gleich mehrfach in Cannes ausgezeichneten Regisseur Nuri Bilge Ceylan, dessen elegante, anspruchsvolle Inszenierungen internationales Aufsehen erregt haben. Sein neuster Film Ahlat ağaci (Wild Pear Tree, 2018) ist in Österreich erstmals zu sehen – es ist ein „Heimatfilm“, charakteristisch für die in den sechziger Jahren geborene Regisseursgeneration, in dem die meist männlichen Protagonisten nach ihren Wurzeln in der Provinz suchen. Seine beiden vorherigen Filme, der Palmengewinner Kis uykusu (Winterschlaf, 2014) und Bir zamanalar (Once Upon a Time in Anatolia, 2016) kommen ebenfalls zur Aufführung.

Kleiner, bescheidener und unbedingt empfehlenswert ist ein schöner Dokumentarfilm über eine anatolische Ringerschule. In Genç Pehlivanlar (Young Wrestlers, 2016) verfolgt Mete Gümürhan einige kleine Jungen, die einen der begehrten Internatsplätze ergattert und nun mit Heimweh, Ehrgeiz, Konkurrenz und Versagensängsten zu kämpfen haben. Etwas älter als die kleinen Ringer ist der Protagonist von Güvercin (The Pigeon, 2018) der auf dem Dach eines Hauses Tauben hält, mit denen der ernste Junge besser zurechtkommt als mit den Menschen. Banu Sivacı, die einzige Regisseurin des Programms, erzählt in ihrem Debüt eine düstere Coming-of-Age-Geschichte.

Anons (The Announcement) ist eine Parabel auf einen historischen Putschversuch, mit dem Mahmut Fazıl Coşkun, einer der talentiertesten jüngeren Regisseure natürlich auch zu den jüngeren politischen Ereignisse in der Türkei Stellung nimmt.

Die Protagonisten dieses und auch aller weiteren Spielfilme im Programm sind männlich, nur im Kurzfilm Servis (The Shuttle, 2019) nicht – mit ein Grund, warum man ihn sich nicht entgehen lassen sollte.

www.turkischefilmtage.at