Filmkritik

Die Dohnal

| Alexandra Seitz |
Aus taktischen Gründen leise zu treten, hat sich noch immer als Fehler erwiesen. (Johanna Dohnal)

Eine der Jüngeren, die nach dem Vermächtnis der Johanna Dohnal gefragt wird, sagt: „Frauenpolitik ist das Bohren von extrem harten Brettern.“ Brettern, so lässt sich ergänzen, die sich gemeinhin vor den Dickschädeln der Männer finden. Die Dohnal – jene Frauenpolitikerin, die Sabine Derflinger (Interview) im gleichnamigen Dokumentarfilm mit Hilfe von Archivmaterial und Erinnerungen von Zeitgenossinnen lebendig werden lässt – war eine, die vor keinem Brett zurückschreckte, und sei es noch so hart gewesen. Sie setzte vielmehr den Bohrer an, immer und immer wieder, und sie bohrte und bohrte und bohrte. Unbeirrt, ausdauernd, energisch. Ein extrem hartes Brett nach dem anderen.

Johanna Dohnal, 1939 in Wien als uneheliches Kind geboren, hatte es zu Beginn ihres Lebens des Öfteren recht schwer und machte es sich auch später als erfolgreiche Politikerin nicht leicht. Sie wusste, wovon sie sprach und worum es dabei ging, wenn sie die Gleichberechtigung von Frau und Mann als unabdingbare Voraussetzung einer wahrhaft menschlichen Gesellschaft forderte. Wohlgemerkt zu einer Zeit – und das führen einem vor allem die vielfach zum Einsatz kommenden Ausschnitte aus ORF-Frauenmagazinen und Diskussionssendungen der siebziger und achtziger Jahre eindrücklich vor Augen –, in der beispielsweise der Vorschlag einer Elternzeit auch für Väter noch auf blankes Unverständnis stieß. Dohnal, die 1956 in die SPÖ eingetreten war, arbeitete sich, immer die Sache der Frauen vertretend, durch die Parteistrukturen und die politischen Gremien; 1979 wurde sie von Bruno Kreisky zur Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen bestellt; 1990 wurde sie unter Bundeskanzler Franz Vranitzky zur ersten Frauenministerin Österreichs berufen; 1995 wurde sie zum Rücktritt gezwungen und zog sich aus der Berufspolitik zurück.

Johanna Dohnal, eine der ersten Feministinnen in einer europäischen Regierung, starb 2010 im niederösterreichischen Grabern. Sie ist ein Vorbild und sie hat uns einen Auftrag hinterlassen, und wenn man, wie Derflinger, unter den jungen Frauen nach ihr fragt, dann kommt so manches Mal ein Fragezeichen zurück. Doch nicht nur als Beitrag zur feministischen Historiografie ist Die Dohnal bitter nötig. Auch als Weckruf, der uns daran erinnert, dass angesichts der populistischen Dumpfbackenmachos, die allerorten nach emanzipatorischen Errungenschaften greifen, auch nicht der geringste Anlass besteht, sich entspannt zurückzulehnen – ganz im Gegenteil.