Ein Wegweiser durch den Streaming-Dschungel im Mai.
Als am 8 September 1966 die erste Folge einer Fernsehserie mit dem Titel Star Trek von NBC ausgestrahlt wurde, hätte sich wohl niemand gedacht, welche Erfolgsgeschichte hier ihren Anfang genommen hat. Die Originalserie zählt mittlerweile längst zu den Fixpunkten des Sci-Fi-Genres, der neben einer Reihe von Kinofilmen auch etliche Serienableger wie etwa Star Trek: The Next Generation folgten. 2008 ging J. J. Abrams zu den Wurzeln der Geschichte zurück: Das Prequel Star Trek beleuchtet die Anfänge der Mannschaft um Captain James T. Kirk, Commander Spock & Co. und ihren ersten Einsatz an Bord des Raumschiffs Enterprise. Abrams inszenierte auch die Fortsetzung Star Trek Into Darkness (2013), bei Teil drei Star Trek Beyond (Netflix, 1. Mai) fungierte er als Produzent und überließ die Regie Justin Lin. Nicht unwesentlich zum Erfolg dieser Neuauflage trägt die gelungen Besetzung der bekannten Protagonisten – Kirk und Spock werden nun von Chris Pine und Zachary Quinto verkörpert, Karl Urban und Simon Pegg spielen Dr. McCoy sowie Chefingenieur Scott – bei, die natürlich auch in Star Trek Beyond vollzählig an Bord ist.
Turbulent wird es in Underwater (Disney+ Star, 14. Mai) für die Besatzung einer Forschungsstation, die sich in den Tiefen des Pazifischen Ozeans inmitten des Marianengrabens befindet. Nachdem ein heftiges Seebeben schwere Havarien verursacht hat, sucht die Mannschaft nach einem Weg, um wieder sicher an die Oberfläche zu kommen. Und als ob das nicht schon schwierig genug wäre, sieht sich die Gruppe plötzlich auch noch mit einer unbekannten Kreatur konfrontiert, die sich als höchst aggressive Spezies erweist. Kristen Stewart und Vincent Cassel in den Hauptrollen haben im Kampf ums Überleben also alle Hände voll zu tun.
Am 11. Februar 2020 verstarb Joseph Vilsmaier, der als Regisseur und Kameramann für Filme wie Herbstmilch, Rama Dama, Stalingrad, Comedian Harmonists, Marlene, Leo und Claire oder Nanga Parbat verantwortlich zeichnete, im Alter von 81 Jahren. Sein letzter Film Der Boandlkramer und die ewige Liebe ist ab 14. Mai auf Amazon Prime zu sehen. Der titelgebende Tod – oder eben auf bairisch Boandlkramer – wird von Michael „Bully“ Herbig verkörpert und hat ein für ihn ungewöhnliches Problem: Er hat sich verliebt. Doch weil es ihm schwer fällt, das Herz seiner Angebetenden zu erobern, bietet ihm kein Geringerer als der Teufel seine Hilfe an – doch damit verkomplizieren sich die Dinge noch mehr.
Wenn die Serie nur halb so gut ist wie Colson Whiteheads Roman, dann kann nicht mehr viel schiefgehen. „The Underground Railroad“ wurde 2016 mit dem National Book Award und 2017 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und stand ein Jahr lang auf der „New York Times“-Bestsellerliste. Er erzählt die Geschichte der Sklavin Cora, einer von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund, und es beginnt eine wilde Reise, auf der sie Leichendieben und Sklavenjägern, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Die zehnteilige Miniserie (ab 14. Mai auf Amazon Prime), deren Hintergrund, wie der des Romans, weitgehend auf historischen Begebenheiten beruht, wurde von keinem Geringeren als Barry Jenkins inszeniert, dessen Moonlight 2017 mit dem Oscar für den Besten Film gewürdigt wurde. Zu den Executive Producers zählt neben Jenkins auch Brad Pitt, der, wie schon bei Moonlight, mit seiner Firma Plan B an dem Projekt beteiligt war. In der Hauptrolle ist die hierzulande völlig unbekannte südafrikanische Schauspielerin Thuso Mbedu zu sehen; zu den prominenteren Cast-Mitgliedern zählen Joel Edgerton, der den Sklavenjäger Ridgeway spielt, Peter Mullan und Lily Rabe.
Auch historisch, aber ganz anders, ist Zhang Yimous Shadow (Sky, 24. Mai), ein politisches Drama von so erlesener Schönheit und Eleganz, dass man Gefahr läuft, die etwas verwirrende Handlung aus den Augen zu verlieren. Der Film spielt zur Zeit der drei Königreiche und ist ein komplexes Intrigenspiel um Macht, Einfluss und ja, auch Liebe, rund um den König des Pei-Reiches und dessen General Yu, der eine strategisch wichtige Stadt im Kampf gegen ein benachbartes Reich verloren hat. Der „Schatten“ aus dem Titel bezeichnet die allgemeine Praxis, das Leben von wichtigen Männern durch Doppelgänger zu schützen, die in entscheidenden Momenten an die Öffentlichkeit zu treten hatten. Mehr soll nicht verraten werden. Der hoch ästhetische Film, der die meiste Zeit über fast Schwarzweiß aussieht und in dem nahezu ausschließlich schöne Menschen mitspielen, inszeniert seine ausgeklügelten Kampfszenen wie traumverlorene Ballette. Exquisit.
Entschieden weniger subtil hingegen ist Bill & Ted Face the Music (Bill & Ted retten das Universum), der ab 28. Mai bei Sky zu sehen ist. Wer schon mit den etwas, äh, vorpubertären Original-Filmen aus den späten achtziger/frühen neunziger Jahren seine Probleme hatte, den wird auch Dean Parisots späte Neuauflage von 2020 nicht bekehren können. Der allmächtige Keanu Reeves, einer der populärsten Schauspieler auf diesem Planeten, und sein Kumpel Alex Winter, beide inzwischen gestandene Mitt-Fünfziger, hatten jedenfalls offensichtlich ihren Spaß dabei, ihren blühenden Zeitreise-Unsinn von Anno Dazumal noch einmal aufzuwärmen. Da ihnen einst vorhergesagt wurde, sie könnten mit ihrer Musik die Welt retten, suchen die erfolglosen Rocker Bill & Ted nach dem ultimativen Hit … Wie immer gibt es eine stattliche Anzahl von Cameo-Auftritten, u.a. von Herrn Dave Grohl, und auch ein paar der Original-Mitstreiter sind noch dabei. Das Projekt brauchte acht Jahre lang, um endlich das Licht der Leinwände zu erblicken, ehe die Pandemie der Rettung des (Kino-)Universums Einhalt gebot. Nun also immerhin auf dem Schirm zu bewundern.
